Wenn der Analysand sich nicht im Analytiker findet, entdeckt er den Analytiker

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Über die Dramaturgie der RealbeziehungIn diesem Vortrag wird u.a. die These vertreten, dass die zunehmende Fokussierung auf die Übertragung und ihre emotionalen Auswirkungen auf den Analytiker zu einer «Totalisierung der analytischen Situation» geführt haben. Interventionen des Analytikers, die nicht auf die Bearbeitung der Übertragung gerichtet sind, sondern den Bereich der sog. «Realbeziehung» ansprechen, sind als Folge davon in ihren behandlungs-praktischen Auswirkungen kaum untersucht und theoretisch ungenügend fundiert. Das hängt auch damit zusammen, dass subjektive, persönliche Einlassungen des Analytikers oft als «Agieren» abqualifiziert werden und – obwohl sie in der analytischen Praxis häufig auftreten und für das Verständnis des Analysanden von eminenter Bedeutung sind – in Supervisionen, Behandlungsberichten etc. aus Scham- und Versagensgefühlen oft verschwiegen werden, weil sie nicht als lege artis angesehen werden. Es werden unsystematisch einige dramaturgische Elemente der Realbeziehung vorgestellt, wie z.B. das besonders im amerikanischen Sprachraum diskutierte «Enactment» und auf dem Hintergrund entwicklungspsychologischer Ansätze verschiedene Stationen des Selbst-in-Beziehung-mit-dem-Anderen untersucht.Wolfgang Roell, Dr. phil., klinischer Psychologe, Psychoanalytiker SGPsa/IPA, in selbständiger Praxis in Zürich