Das In-Szene-Setzen der Psychoanalyse durch die Hysterie

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Die Idee, die ich verfolgen möchte, ist die, dass die Erfindung der Psychoanalyse durch Freuds Studien an der Hysterie, durch die es ihm gelang, ihre psychische Aitiologie zu erweisen, die psychoanalytische Theorie selbst hysterisiert hat: sie selbst bleibt angewiesen darauf, sich immer wieder von neuem zu begründen, will sie nicht selbst das Schicksal der Hysterie erleiden, d.h. ihre eigene Begehrensstruktur verkennen. Ent-Unterwerfung bei gleichzeitiger Wahrnehmung des Platzes des Analytikers erscheint mir als die nicht unproblematische Situation des Psychoanalytikers durch die sein gesellschaftlicher Ort gekennzeichnet werden könnte. Dem Störenden, Irritierenden, Nicht-Einzuordnenden das Wort überlassen und gleichzeitig das ehrgeizige Ziel verfolgen, eine neue Theorie zu erfinden, ist ein spannendes, ein abenteuerliches Unterfangen, das sicher nicht zu einem Abschluss zu bringen ist – i.S. einer in sich abgeschlossenen Theorie. Die Hysterikerin, als Figur für das Irritierende, Verstörende, Aufbegehrende und Leidende wird darum – denke ich – weiterhin besorgt sein.Barbara Klie: Psychoanalytikerin in freier Praxis in Zürich