Entinstitutionalisierung und ihre Auswirkung auf Organisation und Person

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Vortragszyklus
Institutionalisierung bedeutet die Normierung und verbindliche Reglementierung von Verhaltensweisen, Interaktionen, Rollen in sozialen Systemen, die von gesellschaftlicher Bedeutung sind, deren Bestand aber durch einen inneren unaufhebbaren Widerspruch gefährdet erscheint. Traditionell geschah das durch den Versuch der Ausschaltung des Widerspruchs. Außerdem wurde die Verfügung über die Gestaltung des Systems weitgehend den beteiligten Personen entzogen (Entlastungsfunktion der Institution). Beides mit unerwünschten Folgen.Komplexere und in Bewegung geratene gesellschaftliche Situationen führten zur Erosion herkömmlicher Institutionen mit erheblichen neuen Anforderungen an die Systeme und die sie nun immer mehr in Eigenregie gestaltenden und aufrecht erhaltenden Personen: Selbstorganisation mit ihren Risiken des Scheiterns, Autonomie, soziale Kompetenz, Widerspruchstoleranz, Reflexions- und Distanzierungfähigkeit sind gefragt. Frage an die Zuhörer: Kann man die Psychoanalyse auch als eine frühe Antwort auf die neuen Anforderungen verstehen?

Prof. Dr. Kurt Buchinger, Leiter der Abteilung Organisationsberatung und Supervision am FB4 der Univ. Kassel. Vormals Klinik für Tiefenpsychologie und Psychotherapie der Univ. Wien. Psychoanalytiker (WPV) und systemischer Organisationsberater.