Das hat ja alles keinen Zweck!? Nachträglichkeit, Apparat und Neurowissenschaften

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Vortrag von Christine Kirchhoff, Berlin
In Freuds Darstellungen des Apparates wimmelt es von Instanzen und Funktionen, die sich gegenseitig in den Dienst nehmen können. Bei der näheren Untersuchung dieser unordentlichen Verhältnisse zeigt sich, dass der psychische Apparat, wie ihn Freud konzipierte, keinen vorausgesetzten Zweck hat: Auf die Suche nach Lust geschickt, ist die Notwendigkeit der Anpassung der Natur geschuldet, jedoch eine komplizierte Kulturleistung. Die Nachträglichkeit in der Konstitution des Subjekts findet sich hier wieder auf der Ebene der Theorie.
Gerade weil vom Apparat, wie ihn Freud konzipiert, nicht gesagt werden kann, was einmal daraus geworden sein wird, erlaubt dieser allgemeine Entwurf, das Individuelle als ein historisch Situiertes zu fassen, dessen Möglichkeit und konkrete Ausgestaltung nicht anders als eingelassen in Kultur zu denken ist.
Diesem Entwurf eines Apparates werden neuro-psychoanalytische Lesarten Freuds gegenübergestellt, um zu zeigen, wie hier an die Stelle des Wunsches, der ja Freud zufolge das Einzige ist, dass den Apparat zur Arbeit antreiben kann, die Selbst­erhaltung tritt und sich der Apparat in eine Anpassungsapparatur verwandelt.
Christine Kirchhoff, Prof. Dr. phil., Dipl.-Psych. Juniorprofessorin für Psychologie mit Schwerpunkt in Psychoanalytischen Kulturwissenschaften an der International Psycho­analytic University (IPU) Berlin. Ausbildungsteilnehmerin am BPI, Karl-Abraham-Institut. Arbeitsschwerpunkte: Kultur- und Subjektbegriff in der Psychoanalyse, Psycho­analyse und Neurowissenschaften, Metapsychologie, Kritische Theorie.
Veröffentlichungen (Auswahl): «Freuds Referenzen», Berlin 2012 (Mitherausgeberin); «Wozu noch Metapsychologie»? in: Brunner, Markus; Lohl, Jan et. al. (Hg.): «Poli­tische Psychologie heute? Themen, Theorien und Perspektiven der psycho­analy­tischen Sozialforschung», Giessen 2012; «Von der Wiederkehr des Wunsches als Todestrieb und der Nachträglichkeit in der Theorie», Jahrbuch der Psychoanalyse, 62, Stuttgart 2011; «Das psychoanalytische Konzept der ‚Nachträglichkeit’: Zeit, Be­deutung und die Anfänge des Psychischen», Giessen 2009.