Das Unbewusste im Handgemenge. Überlegungen zu den Aufgaben psychoanalytischer Reflexionen in der politischen Praxis heute.

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Der Hannoveraner Sozialpsychologe Peter Brückner entwickelte in den 1960ern bis zu seinem frühen Tod Anfang der 1980er Jahre das Konzept einer psychoanalytisch orientierten Politischen Psychologie, die sich als Teil eines praktisch-emanzipatorischen Projektes verstand. Gegen Adornos Verdikt, dass es kein richtiges Leben im Falschen gäbe, hielt er an der Idee eines «richti­geren Lebens im Falschen» fest. So befragte er die Emanzipations­potentiale der politischen Bewegungen seiner Zeit, von der Studierenden­bewegung über die Kommune 1 und die Neuen Sozialen Bewegungen bis zur RAF, v.a. aber lotete er generell die Möglichkeiten (kollektiver) Selbstbefreiung von gesell­schaftlichen Zwängen und Einschränkungen aus, im Alltagsleben wie in der Institution, in der er arbeitete, der Universität.
Ich möchte diesen Impuls aufgreifen und danach fragen, ob, wie und wo auch heute noch ein solcher psychoanalytisch fundierter politisch-psychologischer Blick als Instrument der Analyse und der Selbstreflexion einer Praxis, die auf gesellschaftliche Emanzipation zielt, eine wichtige Rolle spielen könnte und sollte.
 
Markus Brunner ist Promovend, Mitglied des Koordinationsmitglieds der Hannoveraner Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie und Lehrbeauf­tragter an der Sigmund Freud Universität Wien. Arbeitsschwerpunkte: Psychoanalyse, psychoanalytische Sozialpsychologie, Politische Psychologie, ausserdem praktisch wie theoretisch: das Verhältnis von Gesellschaftstheorie, Kunst und politischer Praxis. Weitere Infos: www.agpolpsy.de/brunner