Neuer Titel: Eros und Thanatos neu betrachtet

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Eine von Freuds Triebdefinitionen lautet folgendermassen: «[Der Trieb ist] ein Mass der Arbeitsanforderung, die dem Seelischen infolge seines Zusammenhanges mit dem Körperlichen auferlegt ist.» Das konfrontiert uns mit dem, was ich für die wichtigste Frage halte: wie wird der somatische Teil des Triebs (psychologisch oder auf der Ebene des Psychischen) verarbeitet? Um eine Antwort darauf zu finden, werde ich meine eigene Mischung von Freud, Lacan und der zeitgenössischen Bindungstheorie vorstellen. Ich möchte vier Thesen vorbringen.
Erstens: Von allem Anfang an ist die Verantwortung für die Erregung meines Triebes auf den Anderen verschoben. Zweitens: Triebregulierung ist synonym mit Identitätsentwicklung und Mentalisation. Drittens: dieser dreifache Prozess führt zu einem System von Abwehr, das auf den Anderen bezogen ist. Viertens: ein solches System kann über- oder unterentwickelt sein. Im Falle der Überentwicklung haben wir Madame Bovary vor uns, Unterentwicklung führt zu «American Psycho».
Paul Verhaeghe ist ordentlicher Professor an der Universität von Gent (Belgien) und Vorsteher der Abteilung für Psychoanalyse und beratende Psychologie. Er hat fünf Bücher publiziert (Does the woman exist? Love in a time of loneliness; Beyond Gender; New studies on old villains). «On Being Normal and Other Disorders: ein Manual für klinische Psychodiagnostik» (2004) erhielt den «Goethe Award for Psychoanalytic Scholarship» (2007). «Liebe in Zeiten der Einsamkeit» (Verlag Turia und Kant) ist in deutscher Übersetzung erschienen.
Dieser Vortrag wird in Englisch gehalten. Ein vorbereitender Text in deutsch wird in Kürze hier vorhanden sein. Der Vortrag wird im Wesentlichen eine Überarbeitung dieses Textes sein. Deutscher Text