Vom Hund zur ungeordneten Deponie: Wenn aus Melancholie Kunst wird

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Barbara Basting, Kunstwissenschaftlerin, Zürich
Vom Hund zur ungeordneten Deponie: Wenn aus Melancholie Kunst wird

Die Melancholie als seelischer Zustand ist für die europäische Kunst vor allem seit der Renaissance ein wichtiges und ergiebiges Thema; das bezeugen Schlüsselwerke von Lucas Cranach oder Albrecht Dürer, aber auch mittelalterliche Darstellungen des Hieronymus oder später dann die «Seelenlandschaften» der Romantik. Eine grosse Ausstellung in Paris und Berlin hat vor wenigen Jahren diese «Kunstgeschichte der Melancholie» umfassend nachgezeichnet. Ausgerechnet die modernen und zeitgenössischen Beispiele überzeugten aber wenig. Dies wohl, weil sie die Darstellung der Melancholie hauptsächlich in formalen Aspekten suchte. Der Vortrag hakt hier ein; er führt zunächst Beispiele der traditionellen Melancholie-Darstellung in der Kunst vor; und er erprobt in einem zweiten, eher spekulativen Schritt Thesen zur heute wohl eher Depression genannten Melancholie anhand der zeitgenössischen Kunst. Zwei Kandidaten bieten sich dafür an: Kunstwerke, die mit der Inszenierung von «Trash» das «erschöpfte Selbst» (Alain Ehrenberg) der Gegenwart spiegeln, und auf der anderen Seite Werkentwürfe, die sich mit Archivierungs- und Ordnungsschemata gegen eine unübersichtliche, unbewältigbare Wirklichkeit stemmen. 
Barbara Basting, geboren 1963 in Stuttgart, schloss das Studium der Germanistik, Romanistik und Philosophie in Konstanz und Paris mit dem Staatsexamen ab; 1989–1999 war sie Redaktorin der Zeitschrift «du», von 2001–2008 Redaktorin für Kunst im Kulturressort des Tages-Anzeigers. Seit 2009 leitet sie die Kulturredaktion von Schweizer Radio DRS2. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich.