Lacans Logik des Unbewussten

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«Die Logik des Unbewussten» – in Lacans späteren Seminaren der Jahre 1964 bis 1974 bezeichnet das sein Vorhaben, das Unbewusste der psychischen Topik Freuds in einen konkreten logischen Mechanismus zu fassen. Lacan entwickelt sein topisch-logisches Modell des Unbewussten ausgehend vom logischen Viereck aus Aristoteles' «Peri hermeneias». Die einfache aber analytisch aufschlussreiche Grundoperation dieses Modells ist die so genannte kreative Negation: eine doppelte Verneinung, die sich – in Überbietung der modernen Aussagenlogik – nicht in eine einfache Bejahung oder zu nichts auflöst, sondern in einem unvorhergesehenen Sinnphänomen resultiert, wie die bestimmte Negation der dialektischen Logik Hegels, an die sie sich gut annähern lässt. Es sind das so definierte Unbewusste und seine unkonventionelle «Logik der konstitutiven Ausnahme», die Lacans Begriff von diskursiver Intersubjektivität zugrunde liegen, genauso wie seiner Geschlechtertheorie, das heisst seinen Definitionen von weiblich beziehungsweise männlich sexuierten Subjekten aus den Seminaren XIX und XX, die erst vor diesem Hintergrund verständlich werden. Im Besonderen kann von den Sinnphänomenen des Unbewussten gezeigt werden, dass sie in einer eigenartigen Zeitlichkeit im Selbstbewusstsein erscheinen. In der Grammatik der Alltagssprache entspricht ihnen das so genannte prospektive Imperfekt. In ihm ist von etwas die Rede, das als möglich Gewesenes vor-scheint, dabei aber einer Dimension angehört, die weder war (trotz des Imperfekts), noch sein kann oder sein können wird, sondern buchstäblich un-vergangen ist; so dass dieses Unbewusste im Selbstbewusstsein auf irreale Weise «in-existiert».Dr. Wolfram Bergande studierte Philosophie, Romanistik und Volkswirtschaftslehre in Berlin, Paris und New York und unterrichtet derzeit Kulturtheorie und Ästhetik an der Humboldt-Universität Berlin und der Universität der Künste Berlin. Veröffentlichungen: «Die Logik des Unbewussten in der Kunst. Subjekttheorie und Ästhetik nach Hegel und Lacan» Turia + Kant 2007; «Lacans Psychoanalyse und die Dekonstruktion» Passagen-Verlag 2002.