* Sublimieren

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* Dieses Referat gehört zur Vortragsreihe "Arbeit in der Psychoanalyse", die von Rony Weissberg organisiert ist

Sublimieren*Schon einer der frühsten Hinweise Freuds auf «Sublimierung» lässt anklingen, dass es sich dabei um eine spezifische Arbeit am Objekt handelt: im Unterschied zu einfachen Neudrucken, Neuauflagen finden bei der Sublimierung kunstvoller gemachte Neubearbei¬tungen statt. Wer sublimiert, knüpft an einer realen Besonderheit des Objekts an, die ge¬schickt verwertet wird («Bruchstück einer Hysterie-Analyse», 1904, im Zusammenhang der Übertragung).Dieser unscheinbar-präzisen Annäherung steht der Kübel-Begriff einer Umwandlung sexuell-triebhafter in geistig-kulturelle Aktivitäten gegenüber. Wie geht das? Bei Laplanche-Pontalis liest man: «der Sexualtrieb als treibende Kraft wird in dem Mass sublimiert genannt, in dem er auf ein neues, nicht sexuelles Ziel abgelenkt wird und sich auf ein neues, nicht sexuelles Objekt richtet». Das vermengt vereinzelte Äusserungen Freuds, und entspricht in etwa dem, was der (Internet)-Psycho-Volksmund heutzutage kolportiert. Die Sublimierung verkommt dabei sei’s zu einem Abwehrmechanismus gegen «die Sexualität», sei’s zu einer löblichen «Vergeistigung» derselben, und die Psychoanalyse zur Ich-Psychologie. Doch es gibt andere Stimmen. Auch Laplanche-Pontalis präzisieren weiter unten: «die Sublimierung bezieht sich elektiv auf die Partialtriebe.» In den 1910er Jahren setzt Freud den Sublimierungsvorgang als ein – seltenes – Triebschicksal, und warnt vor der Verwechs¬lung mit der Reaktionsbildung und der Idealisierung – selten ist dieses Triebschicksal insofern, als sich hier die Libido dem Schicksal der Verdrängung entzieht, und zwar von Anfang an. ...der Charakter der Neurose bleibt aus, die Gebundenheit an die ursprünglichen  Komplexe  der infantilen Sexualforschung entfällt, und der Trieb kann sich frei im Dienst des intellektuellen Interesses bewegen. Das legt eine – in der Neurose verschüttete – direkte Verbindung des Triebs zur Urverdrängung und eine rare Durchlässigkeit des Ichs nahe: die nur wenigen Menschen zugängliche Fähigkeit, zu sublimieren ist die Fähigkeit, eine reale Besonderheit des Objekts im Beton der Kulturlandschaft aufzuspüren, zu bearbeiten, und geschickt zu verwerten – ob mit Spreng- und/oder Dekorationseffekten, sei hier dahingestellt. Mein Vortrag wird einigen Facetten dieser Hypothese nachgehen.Im selben Zug stellt sich die Frage: können Neurotiker sublimieren? Zwischen den zwei Extremposten: – Neurotiker sind unfähig zur Sublimierung / Analyse ist unmöglich ohne Sublimierung – spielt sich das Drama der alltäglichen analytischen Arbeit ab. Am Samstagmorgen werden wir davon ausgehen; ich hoffe auf rege Mitarbeit. Literatur: S. Freud: «Triebe und Triebschicksale» 1915, «Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci» 1910,  «Ratschläge für den Arzt» 1912J. Lacan: Séminaires VII «L’Ethique de la Psychanalyse», XVI «D’un Autre à l’autre»*   *   *
Samstag, 7. Juni 2008, 10.00 - 12.00 Uhr
Klinisches Seminar zum Vortrag vom Freitag, 13. Juni 2008
Leitende Person(en): Regula Schindler

Kurskosten: Fr. 45.–

*   *   *Regula Schindler, Psychoanalytikerin in Zürich, Teilnehmerin des PSZ seit den Anfängen, Aktiv-Mitglied des Lacan-Seminars Zürichs (Ex-Präsidentin), der Assoziation für Freudsche Psychoanalyse, und der Asssociation Lacanienne Internationale. Prägender Paris-Aufenthalt Ende 80er/anfangs 90er-Jahre.Buch- und Zeitschrifts-Publikationen zur Lacanschen Klinik und Topologie, zu den Verbindungen Psychoanalyse – bildende Kunst – Literatur, und neuerdings wieder zu Freud.