«Der Knacks». Autobiographisches Fragment von Francis Scott Fitzgerald mit einem Kommentar von Gilles Deleuze

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Übersicht«Im Grunde genommen ist alles Leben ein Prozess des Niedergangs». «Biographie ist die verlogenste Kunstform».Zwischen diesen zwei Ansichten bewegt sich das selbstbezogene Prosa-Bruchstück «Der Knacks», das 1936 in New York erschien. Damals war der frühe Ruhm Fitzgeralds als Romancier und Chronist der Schönen und Reichen der zwanziger Jahre, des Booms und des «Jazz Age» verblasst. Nur «Der grosse Gatsby», sein grösster Erfolg, blieb weiterhin populär. Als junger Mann war der grosse Dandy und grosse Autor mit seiner schönen Frau Zelda auf allen Parties. Dann kam «Der Knacks».«Der Knacks» rief zunächst Unverständnis und Ablehnung hervor. Was sollte diese kurze Prosa-Collage, diese indiskrete Beschreibung eines Zusammenbruchs? Der starke Mann und Ex-Freund Hemingways tat sich besonders hervor: das sei weinerliches selbstmitleidiges Geschreibe. Nur der Kritiker Edmund Wilson hat seinerzeit den Wert des Textes erkannt.Nach einer langen, schweren Belastung fühlt der Autor eine Erschütterung. Dann klafft ein Sprung an seiner Oberfläche, wie bei einem Porzellanteller. Ruhe und Rückzug helfen nichts. Der Schaden ist irreparabel.Gilles Deleuze: «Porzellan und Vulkan». Deleuze betont in seinem Essay den Alkoholismus Fitzgeralds. Flucht in die Vergangenheit, weitgehender Objektverlust und Depressivität seien die treibende Kraft in seinem Werk.Der rumänische Moralist E.M. Cioran vertritt eine andere Meinung: er sieht bei Fitzgerald «die Eleganz des Zusammenbruchs», den «Charme des gebrochenen Lebens».Veröffentlichungen«In lockerem Kontakt». Gedichte. Österreichische Verlagsanstalt. Wien 1968.«FINI». Ein Stück. Dramatisches Zentrum Wien. Wien 1974.«Von Lustprinzip zum Todestrieb». Theater am Neumarkt (Tonband). Zürich 1986.«Warburg im Bellevue». Aus: «Aby M. Warburg. Porträt eines Gelehrten». Hg. Britta Reimers. Dölling und Gallitz Verlag. Hamburg 1995«Der bedrohte Mann». Aus: «Koordinaten der Männlichkeit». Hg. Sylvia von Arx, edition diskord. Tübingen 2003