Ein Ort des Aufbruchs - Die Psychoanalyse in Kuba

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Der Vortrag findet in spanischerSprache statt. Ab dem 30. April kann die deutsche Übersetzung imSekretariat elektronisch bestellt werden.

Sich das Abwesende zu vergegenwärtigen, ist ein Akt, der Erfindungsgabe verlangt. Das Abwesende – die Psychoanalyse in Kuba – kommt der Wiederkehr des Verdrängten gleich – einer Wiederkehr aus der Zukunft, ähnlich einem Symptom in der Kultur. Diese Ausführungen sind Reflexionen über die Art, wie die Psychoanalyse in der klinischen Praxis, in der sozialen Realität und in der kubanischen Kultur an Terrain gewinnt. Eine Frage, die ein solches Unterfangen notgedrungen aufwirft, betrifft die aktuelle Beziehung  zwischen der Psychoanalyse und der Gesellschaft in Kuba. Als Rahmen der Analyse dieser Beziehung dienen Überlegungen zur Geschichte der Psychoanalyse in Kuba (hinsichtlich der Absichtserklärung des sozialistischen Charakters der Revolution, der Staatsdoktrin und des aktuellen formalen Öffnungsprozesses), zur Bedeutung der Psychoanalyse in einem spezifischen sozialen System (Besitzverhältnisse, Ideologie, Konzeption des Menschen) und Überlegungen zu ihren Auswirkungen in diesem sozialen System (äussere, von offizieller Seite her rührende Widerstände, aber auch innere und der Psychoanalyse eigene Widerstände). Diese Betrachtungsweise ist für jene gedacht, die wie wir auf die Psychoanalyse in Kuba setzen. Sie soll aber auch zu einer Verbesserung der sozialen Akzeptanz derjenigen beitragen, die sie anzuwenden versuchen.Identifiziert mit der «Sache Freuds», zwischen dem «Begehren des Analytikers» und seinem «Phantasma», ohne Psychoanalytiker, ohne psychoanalytische Institutionen oder Ausbildung und auch ohne eigene Analyse nehmen wir uns nicht eine Rückkehr zu Freud vor, sondern suchen einen Ausgangspunkt, der uns erlaubt, die Bedeutung seines Denkens für uns heute zu entdecken. Innerhalb der kubanischen Gesellschaft für Psychologie haben wir uns als psychoanalytische Gruppe konstituiert, um die Ausbildung der Mitglieder (unter unterschiedlicher Ausgangslage und Bedingungen als die klassischen) gleichzeitig mit der praktischen Tätigkeit (mit einem anderen Dispositiv und anderen Patientenbedürfnissen) voranzutreiben. Diese Situation führt uns einerseits zu den Fundamenten der Psychoanalyse andererseits aber auch zu deren Transformationen im Verlaufe der Geschichte – sowohl innerhalb wie ausserhalb der psychoanalytischen Schriften. Da uns für unser Projekt jegliche Mitgliedschaft zu einer ausländischen psychoanalytischen Institution widersprüchlich zu sein scheint, ist es unabdingbar, die künftige Einbindung der Psychoanalyse in kubanische Institutionen zu hinterfragen. Heute umso mehr, da man bloss eine durch die offizielle Sprache verzerrte Antwort erhielte und umso mehr, da die Identität des Kubaners und sein Glaube an die Zukunft schwankend sind. Das Politische und die Liebe stellen für uns die zwei wichtigen konstruktiven Dimensionen für die Arbeit mit der Psychoanalyse dar.Cristina L. Díaz Erofeeva: Dozentin an der psychologischen Fakultät der Universität Havanna und Vor¬sitzende der psychoanalytischen Sektion der kubanischen Gesellschaft für Psychologie.