Hombres y padres: El enigma de la masculinidad y la contributiòn del psicoanàlisis

Informationen

Hombres y padres: El enigma de la masculinidad y la contribuciòn del psicoanàlisisMänner und Väter: Das Rätsel der Männlichkeit und der Beitrag der PsychoanalyseDer Werdegang eines Menschen ist kompliziert, auch derjenige des Mannes!Juan Carlos Volnovich diskutiert in seinem Vortrag verschiedene Thesen, ausgehend von jenen, welche die körperliche Differenz des männlichen Kindes zur Mutter besonders gewichten. Unter Bezugnahme von psychoanalytischen Konzepten zum Vater setzt er sich zudem mit den Thesen Judith Butlers auseinander, welche postuliert, dass es für den Mann zur Konsolidierung der Geschlechtsidentität  zwingend sei, eine ursprüngliche homosexuelle Liebe zum Vater abzuspalten. Schliesslich wendet er sich Slavoj Zizek zu, der radikal mit dem Normativen der Heterosexualität  bricht und dabei zu interessanten Schlussfolgerungen gelangt.Juan Carlos Volnovich’s Absicht ist die Förderung eines Bewusstseinsprozesses, der auch in der Psychoanalyse erst langsam in Gang kommt.  Der normative Druck, der auf Männern und Vätern heute lastet, ist kontrovers und damit immer unauflösbar konfliktträchtig.(J.C.Volnovich wird den Vortrag auf Englisch halten. Diskussion Spanisch/Deutsch. Übersetzung P. Grosz. Eine Zusammenfassung auf Deutsch ist ab 15. Mai 07 auf der Homepage erhältlich)Juan Carlos Volnovich lebt und arbeitet in Buenos Aires als Psychoanalytiker für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Als kritischer Intellektueller (u.a. Mitbegründer der „Plataforma argentina“) musste er während der Militärdiktatur mit seiner Familie nach Kuba flüchten, wo er auch zusammen mit seiner Frau Silvia Werthein arbeitete. Zurück in Argentinien veröffentlichte Volnovich eine enorme Zahl von Artikeln und Büchern. Von den „Madres, bzw. Abuelas de la Plaza de Mayo“ erhielt er den Ehrendoktortitel für sein Engagement und seine Publikationen zu der schwierigen gesellschaftlichen Situation nach dem Terrorismus der Militärdiktatur. Publikationen: „Marie Langer, Mujer, Psicoanàlisis, Marxismo“, Buenos Aires, 1989, Ed. Contrapunto (zusammen mit Silvia Werthein)„El niño del „siglo del niño“, Buenos Aires, 1999, Ed. Lumen„Claves de Infancia“, Rosario, 2000, Ed. Homo Sapiens„Ir de Putas“: Reflexiones acerca de los clientes de la prostituciòn. Buenos Aires, 2006, Ed. TopìaZahlreiche Artikel, welche in psychoanalytischen Zeitschriften Südamerikas und Europas erschienen sind, auch zum Thema Psychoanalyse und Gender:„Género, Psicoanàlisis, Subjetividad“, Buenos Aires, 1998, Ed. Paidòs            „El Malestar en la Diversidad. Salud Mental y Género“, Santiago de Chile, 2000, Ed. Isis. (Las figuras femeninas en el psicoanàlisis con Varones)„Sabina Spielrein. Expropiaciòn intelectual en la historia del psicoanàlisis.“ Revista Giros de Aspas, Nr.6, San José, Costa Rica, de diciembre de 2002. Revista Psiché, de Agosto de 1987: „Miseria del psicoanàlisis“.Herausgeber zahlreicher Bücher zu psychoanalytischen Themen.



Im Folgenden versuchen Ita und Pedro Grosz-Ganzoni einige der ihnen zentral scheinenden Diskussionspunkte und Thesen aus Volnovichs Vortrag (soweit er ihnen bekannt ist) zusammenzufassen. 1. Entwicklung und Entstehung des Männlichen als Folge des Ausbruchs aus der mütterlichen SymbioseJede Mutter-Kind-Beziehung ist in der ersten Zeit von grosser Intensität geprägt. Dies gilt für beide Geschlechter. Die Beziehung zum kleinen Mädchen hat jedoch eine besondere Charakteristik. Das kleine Mädchen ist vom selben Geschlecht, sein Körper eine Art Fortsetzung der Mutter. Der kleine Junge ist von ihr verschieden. Die Beziehung der Mutter zu ihm ist wegen der Geschlechterdifferenz durch ihre Vorstellung des Andersartigen geprägt. Dies hat zur Folge, dass währenddem die Identität des Mädchens auf der Ähnlichkeit zur Mutter, d.h. dem „So sein wie die Mutter“ gründet, diejenige des Knaben auf der Notwendigkeit basiert, die bestehende körperliche Verschiedenheit zur Mutter psychisch zu integrieren.Zusammenfassend bedeutet dies, dass von Geburt an das kleine Mädchen weiblich ist und der kleine Junge männlich werden muss.Daraus ergibt sich folgende Hypothese:Für den Jungen und später den Mann besteht die Notwendigkeit erhöhter Aktivität, um seine Geschlechtsidentität zu entwickeln. Diese Herausforderung könnte die Basis oder zumindest eine Erklärung sein für eine erhöhte Gewaltbereitschaft und einem erhöhten Willen zur Macht und Beherrschung, die in diesem Masse dem Mädchen und später der Frau fremd sind.„Die erste Pflicht jedes Mannes ist, nicht Frau zu sein.“ (R. Stoller „Masculin ou Féminin)2. Die Figur des frühen Vaters in der Tradition von Freuds PsychoanalyseSigmund Freuds Theorie der ersten Lebenszeit gibt dem Vater wenig Bedeutung.In der ersten Lebenszeit des Kindes tritt der Vater auf zwei Arten in Erscheinung: in negativer Form als nicht vorhanden; in positiver Form nur als Erweiterung der mütterlichen Symbiose oder als der Dritte, der die Fusion von Mutter und Kind unterbricht.Später wird er dann als Gesetzgeber, Ichideal –und Ueberich-Bildender auftreten. 3. Sehnsucht versus VerachtungDie männliche Aggressivität gegen Frauen könnte als eine Reaktion auf die zu frühe Trennung von der Mutter, welche als Verrat und Verlassenwerden erlebt wird, interpretiert werden. Es scheint, dass die Sehnsucht nach dem verlorenen Körper der Mutter bei der notwendigen Trennung von ihr, sich in Verachtung verwandeln muss. Doch beinhaltet diese Art von Verachtung mehr Nostalgie als Arroganz. Auch unterdrückt, ist die Wiederherstellung der Symbiose mit der Mutter ein konstantes Verlangen des kleinen Jungen.4. Der gegenseitige VerratBis heute ist die Kindererziehung in erster Linie Aufgabe der Frauen. Männer werden also von Frauen geboren und von ihnen aufgezogen. Das erschwert die Errichtung und Aufrechterhaltung einer (männlichen) Identität, die verschieden ist von derjenigen der Mutter/Frau.Das erwähnte Verlangen nach der Wiederherstellung der Symbiose mit der Mutter beinhaltet die Gefahr, in dieser Fusion das eigene Geschlecht zu verlieren.Die Furcht vor Passivität und Femininität ist ebenso stark wie der Wunsch, von der Mutter geschützt zu werden (ein unauflösbarer Konflikt).Zusammenfassend könnte man sagen: Männlichkeit scheint mehr eine Reaktion zu sein als Kernidentität. Eine Reaktion, die sich aus den folgenden Vorsätzen zusammenfassen lassen:Ich bin nicht meine Mutter.Ich bin kein Baby.Ich bin keine Frau.Die Rebellion richtet sich gegen die Mutter:Ich bin nicht sie.Ich bin nicht wie sie.Ich bin gegen sie.Gegen die eigene Mutter sein ist ein Verrat, der nicht ohne Folgen bleiben kann. Schuldgefühle einerseits und die Tendenz sowohl zu physischer, als auch zu symbolischer Gewalt, bilden die Basis für Konflikte, auf welche sich verschiedene psychoanalytische Theorien beziehen. Freud z.B. erklärte die Verachtung des Mannes gegenüber der Frau damit, dass sie ein penisloses Mangelwesen sei.5. Pubertät und AdoleszenzIn der Nachfolge Sigmund Freuds haben alle Psychoanalytiker die Meinung vertreten, dass die Pubertät des Jungen vergleichsweise einfacher verlaufe als beim Mädchen. Nach der psychoanalytischen Erfahrung von Volnovich, verläuft die Pubertät und Adoleszenz der des jungen Mannes nicht nach dieser komfortablen (Wunsch-)Vorstellung. Die jungen Männer geniessen nicht einfach die körperlichen Veränderungen und profitieren nicht einfach von der Entwicklung der Muskulatur und Erektionsfähigkeit. Sie fühlen sich auf eine bestimmte Weise bedrängt, dem von der Gesellschaft aufgestellten männlichen Diktat unterworfen, reduziert auf den Penis. Dieser ist Symbol sowohl von Allmacht als auch, oft insgeheim oder unbewusst, von Schwäche und Verletzlichkeit. Dieser Körperteil wird zum alles bestimmenden Gesetz, bekommt den Platz eines tyrannischen und launischen Herrschers.6. Sigmund Freud: „Über einen besonderen Typus der Objektwahl beim Manne“ (in: 1910, „Beiträge zur Psychologie des Liebeslebens“)J.C.Volnovich diskutiert die folgenden 2 Liebesbedingungen von Freuds Arbeit:1.    Die Bedingung des „Geschädigten Dritten“. Zitat v. Freud:“... ihr Inhalt geht dahin, dass der Betreffende niemals ein Weib zum Liebesobjekt wählt, welches noch frei ist, also ein Mädchen oder eine alleinstehende Frau, sondern nur ein solches Weib, auf das ein anderer Mann als Ehegatte, Verlobter, Freund Eigentumsrechte geltend machen kann.“2.    „Die zweite Bedingung ist vielleicht minder konstant, aber nicht weniger auffällig. ... Diese zweite Bedingung besagt, dass das keusche und unverdächtige Weib niemals den Reiz ausübt, der es zum Liebesobjekt erhebt, sondern nur das irgendwie sexuell anrüchige, an dessen Treue und Verlässlichkeit ein Zweifel gestattet ist. ... Man mag diese Bedingung mit etwas Vergröberung die der „Dirnenliebe“ heissen.“In diesem Zusammenhang wird von Freud die Bedeutung des Vaters in Bezug auf die Männlichkeitsentwicklung eingeführt. In seinem Werk gibt es eine theoretische Linie, welche davon ausgeht, dass mit der mütterlichen Symbiose auch eine erweiterte mit dem gleichgeschlechtlichen Vater stattfindet. Die symbiotische Beziehung zum Vater kann nur eine ergänzende sein, also keine eigenständige und ist deshalb fragiler als diejenige zur Mutter. Die Enttäuschung durch das nicht verlässliche frühe väterliche Liebesobjekt führt zur Identifizierung mit dem aufgegebenen, verlorenen Objekt. Volnovich zeigt das anhand von Freuds „Trauer und Melancholie“ (Bd.10, GSW, S. 435...“Es hatte eine Objektwahl, eine Bindung der Libido an eine bestimmte Person bestanden. ... etc.“)7. Judith Butler nimmt in ihrem Werk “The Psychic Life of Power“ (1977, Stanford University Press) diese erwähnte These zusammen mit den Konzepten der Verdrängung und Verwerfung als Ausgangslage für ihre Theorien. Sie geht davon aus, dass die frühste Verwerfung, bzw. Spaltung, welche für die Konsolidierung der männlichen Identität zentral ist, darin besteht, dass der Knabe die leidenschaftliche Anlehnung an den gleichgeschlechtlichen Vater zwar ersehnt, aber die Homosexualität verwerfen/abspalten muss. Sie folgert daraus, dass die Melancholie zur Formung der Persönlichkeit unausweichlich ist, d.h. Liebe zum gleichgeschlechtlichen Partner geopfert werden muss.Geht man von dieser Annahme aus, erklärt sich auch für Volnovich die Tatsache, weshalb in unserer Kultur an den normativen Männlichkeitsvorstellungen unerbittlich festgehalten wird. Die Norm dient der Verdeckung und Abspaltung der ursprünglichen homosexuellen Liebe. 8.Kritische Auseinandersetzung mit J. ButlerVolnovich betont den Unterschied von melancholischer Identifikation und männlicher Identifikation und stellt dabei verschiedene Fragen, unter anderem folgende: Wenn J. Butlers Annahmen richtig sind, wie erklärt es sich dann, dass ein Mann einen andern Mann begehrt?Ist es möglich, ein Mann zu sein und einen andern Mann zu begehren, oder muss er sich mit der weiblichen Position identifizieren, d.h. mit der Position der von einem Mann begehrten Frau, um einen Mann zu begehren?9. Slavoj Zizek, „el espinoso sujeto“ (1999, Paidos, Buenos Aires)Währenddem für Butler kein Zweifel besteht, dass ein Mann eine Frau immer aus einer reaktiv entstandenen heterosexuellen Position aus begehrt, und zwar bei gleichzeitiger Abspaltung der ursprünglichen Homosexualität, geht Zizek davon aus, dass ein Mann einen andern aus einer männlichen Position heraus begehren kann. Das heisst, Zizek bricht mit dem Normativen und Symbolischen der Geschlechterdifferenz ganz radikal.Kurz: Ein Mann kann einen andern Mann begehren ohne Infragestellung seiner männlichen Identität.Er kommt zum Schluss, dass es produktiver sei, über das zentrale Rätsel der Unterscheidung der Geschlechter weiter nachzudenken, anstatt auf die schon vorhandenen, normativen symbolischen Unterscheidungen auszuweichen. Was dabei dekonstruiert wird, ist nicht nur die heterosexuelle Norm, sondern auch die präzise Unterscheidung der Geschlechtersymbolik.10. SchlussfolgerungenEs scheint, dass der Mann nicht nur auf die Weiblichkeit verzichten muss, die ihn von allen Seiten verführt und ängstigt, sondern auch auf die normative Männlichkeit, die ihn daran hindert, „Mensch“ zu werden.Oder:Wenn der Transvestit verrückt ist, weil er sich als Frau fühlt, ist der Mann, der sich als „typischer Mann“ fühlt, ebenso verrückt. Er ist verrückt, weil er das symbolische Attribut seiner Männlichkeit, nämlich seinen Penis, als Basis seiner Existenz annimmt.    Zürich, im Mai 2007, Ita und Pedro Grosz