Videovorführung des Films «Vater und Sohn»

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Einführung zum Film und zum ZyklusVater und SohnSchon seit langem hatte ich von dem Film gehört. Unerhört: ein Sohn macht ein Portrait von seinem sterbenden Vater! Von einem „Gott-Vater“, Alexander Mitscherlich, und deklariert das Ganze kurz und bündig zur „Männersache“. Was hätte zum Einstieg in unseren Zyklus im Wintersemester zum bevorstehenden 100. Geburtstag von Alexander Mitscherlich mit dem Thema „Unterwegs in der Vaterlosen Gesellschaft“ besser gepasst? Dank der Vermittlung von Paul Parin – der im Film sich selber darstellt – habe ich von der Mutter, Karin Dehnbostel (Berlin / Hamburg), die DVD erhalten und gestern Nacht den Film erstmals gesehen.Es handelt sich um Thomas Mitscherlichs „Vater und Sohn“ von 1984 in der Kurzfassung für ARTE, entstanden 1981 bis 83 und aktualisiert unter Mitarbeit von Paul Parin 1993. Der Vater starb am 28.6.1982, so dass der Film dokumentarische Passagen und Spielfilmelemente enthält. Der Sohn sagt: „Ich trage das Bild meines Vaters lebend in mir. Sterbe ich – ist er tot.“ Inzwischen lebt auch Thomas Mitscherlich nicht mehr. Was bleibt, ist das Werk. Der Film hat paradigmatischen Charakter: der Sohn ist ein Künstler, er kann sich distanzieren und ist schonungslos ehrlich. Seine verhaltene Liebe und die ganze Ambivalenz eines begabten Kindes wird in teils poetischen, teils dokumentarischen Bildern und in der knappen Sprache des Kommentars sicht- und erfahrbar, ich wage zu sagen: ein kleines Meisterwerk. Der Film hat mich zu stark berührt, als dass ich schon in der Lage wäre, näher auf ihn einzugehen (eigentlich hatte ich an eine Film-Interpretation nach Alfred Lorenzers „Kulturanalysen“ gedacht), aber die Zeit drängt, und die Sekretärin braucht das Abstract vor Ende September. Ce sont mes premiers sentiments.Männersache? Ja! Und für Frauen, die sich für Männer interessieren... Die Filmvorführung (Beamer-Projektion) im PSZ ist öffentlich. Ich werde eine kurze Einführung zum Zyklus geben. Der Film dauert 60 Minuten, danach ist genügend Zeit für die Diskussion.Bibliographischer Hinweis:Blos, P. (1985): Son and Father. Before and Beyond the Oedipus Complex, New York (The Free Press, Macmillan Inc.)Dammasch, F. & Metzger, H-G (Hrsg.) (2006): Die Bedeutung des Vaters, Frankfurt a.M. (Brandes und Apsel)Grieser, J.(1998): Der phantasierte Vater: zur Entstehung und Funktion des Vaterbildes beim Sohn, Tübingen (Ed. Diskord)Mitscherlich, A. (2003): Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft. Ideen zur Sozialpsychologie, Weinheim, Basel Berlin (Beltz Taschenbuch)