Was ist aus der «Vaterlosen Gesellschaft» geworden?

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Alexander Mitscherlich zählt zu den herausragenden deutschsprachigen Sozialpsychologen der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Es gibt nur wenige Autoren, die auf dem von ihm erreichten Niveau gesellschaftliche Entwicklungen im Zusammenhang mit psychodynamischen Bedingungen und Effekten diskutiert haben – und nur wenige Autoren, die wie er in der Nachkriegszeit das Konzept einer aufgeklärten und emanzipierten demokratischen Gesellschaft propagiert haben. Zu den vielen Themen, mit denen er sich dabei beschäftigt hat, gehört auch die Frage, ob und wie die strukturellen Veränderungen von Arbeitswelt und Lebensbedingungen im Übergang zum «Konsumkapitalismus» sich in Veränderungen der Identitätsbalance und des  psychodynamischen Konfliktprofils bemerkbar machen. Das Buch «Auf dem Weg in die vaterlose Gesellschaft» ist eine Zusammenfassung und Systematisierung dieser Kritik. - Der Vortrag versucht zunächst die Grundlagen, Thesen und Be¬gründungen des Buchs  zusammenfassend darzustellen. Im Anschluss daran wird die Situation, in der das Buch entstand und damit der genetische Kontext des Buches analysiert. Schliesslich wird diskutiert, wie sich Mitscherlichs Kernthesen aus heutiger Sicht darstellen und wie Mitscherlichs Werk aus heutiger Sicht interpretiert werden kann.Johann August Schülein, Dr.phil., geb. 1947, 1966 – 1972 Studium der Soziologie, Philosophie und Psychoanalyse in Giessen und Frankfurt, von 1972 bis 1976 wiss. Mitarbeiter, von 1976 bis 1984 Dozent bzw. Professor für Soziologie an der Justus-Liebig-Universität Giessen, seit 1986 o. Prof. für Soziologie an der Wirtschaftsuniversität Wien, Arbeitsschwerpunkte: Soziologische Theorie, Mikrosoziologie, Interdisziplinäre Forschung.