Demokratie und Bildung in der «Vaterlosen Gesellschaft». Alexander Mitscherlich als politischer Psychologe

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Seinem Wesen nach ist Mitscherlichs Hauptwerk «Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft» ein Beitrag zu einer psychoanalytischen Theorie der Bildung. Dieser argumentative Grundzug und seine Gestaltung werden zunächst im Mittelpunkt des Vortrags stehen. Mitscherlich geht es natürlich um die Bildung der Persönlichkeit. Aber er denkt vor einem konkreten geschichtlichen Hintergrund, der Erfahrung des Nationalismus. Er sorgt sich um Bildung, damit Auschwitz nicht mehr sei. Welcher Sozialisation bedarf es, damit Individuen heranwachsen, die in der Lage sind, den Anforderungen eines demokratischen Gemeinwesens gerecht zu werden und dessen Existenz zu sichern? ist die Frage, die ihn umtreibt. Diese Frage ist heute so aktuell wie zu Mitscherlichs Zeiten. Seine Überlegungen haben entscheidende Anregungen zu einer Theorie des Subjekts und der politischen Psychologie der spätmodernen Gesellschaft gegeben. «Vaterlose Gesellschaft», so wird in dem Vortrag zu zeigen versucht, ist nicht nur Bestandsaufnahme eines Defizits, sondern Chance einer grundlegenden demokratischen Erneuerung.Hans-Joachim Busch, Diplom-Soziologe, Dr. phil., wissenschaftlicher Mitarbeiter des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt am Main, Privatdozent und von 2004 – 2006 Vertreter einer Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt Sozialpsychologie am FB Gesellschaftswissenschaften der J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main; Sprecher des Arbeitskreises Politische Psychologie (DVPW); zahlreiche Publikationen zur psychoanalytischen Sozialpsychologie und zur politischen Psychologie, u.a. «Subjektivität in der spätmodernen Gesellschaft. Kon¬zeptuelle Schwierigleiten und Möglichkeiten psychoanalytisch-sozialpsychologischer Zeitdiagnose», Weilerswist 2001