Psyche ist ausgedehnt, weiss nichts davon

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13.15 bis ca. 17.30 Uhr im PSZ
«Räumlichkeit mag die Projektion der Ausdehnung des psychischen Apparats sein (...) Anstatt Kants a priori Bedingungen unseres psychischen Apparats. Psyche ist ausgedehnt, weiss nichts davon.»In dieser späten Aufzeichnung (London, 20.8.1938) spannt Freud einen letzten Bogen zwischen dem psychischen Apparat als einem aus verschiedenen Teilen zusammen¬gesetzten Projektions-Gerät, und Psyche als dem Schirm der Urverdrängung (dies die zu entwickelnde These). Der Begriff der Urverdrängung fasst den grundlegenden Schnitt, der psychische Realität erst erzeugt – «Fixierung des Triebs» an einer von der «Vorstellung» zu differenzierenden «Repräsentanz» – und der den Apparat dauerhaft in Trab hält: zur «Anziehung» der urverdrängten Repräsentanz kommt der «Dauer¬aufwand einer Gegenbesetzung» hinzu, den der Apparat als sekundäres Verdrängungssystem zu leisten hat. Die Relevanz dieser Vorgänge für die Alltags-Praxis ist somit gegeben, erfordert aber eine Übersetzungs-Arbeit unsererseits. Gewisse Texte/Zeichnungen von A.G. eröffnen den Zugang zu strukturellen Funktionen und Dysfunktionen des Apparats, und zur Brüchigkeit oder Durchlässigkeit des Schirms, wie sie sich zum einen in der surrealistischen und minimalistischen Kunst, zum andern bei Phobien und Grenzfällen mani¬festieren – so etwa, wenn in der Behandlung einer Phobie deutlich wird, dass das phobische Objekt nicht als eine Figur im Raum, schon eher als ein Stück Raum wahrgenommen wird.  Lektüre:Sigmund Freud: «Ergebnisse, Ideen, Probleme», 1938; «Die Verdrängung», 1915; «Das Unbewusste», 1915; «Abriss der Psychoanalyse», 1938Alberto Giacometti, «Ecrits», Hermann Ed., Paris, 1990. p.27-50, 17-19deutsch «Gestern, Flugsand», Scheidegger, 1999, S. 42-44, 52-76Georges Didi-Huberman, «Was wir sehen blickt uns an», Zur Metapsychologie des Bildes, Fink 1999Regula Schindler, Psychoanalytikerin in Zürich, Teilnehmerin am PSZ, Vorstandsmitglied Lacan-Seminar Zürich, Artikel, Vorträge, Seminarien zur Lacanschen «Rückkehr zu Freud», zur Topologie des Subjekts, zur analytischen Position und Technik, zum Verkehr zwischen analytischem Diskurs und anderen Diskurs¬formen. Auskunft re.schindler@gmx.chFür die Veranstaltung wird kein Kursgeld erhoben, sie ist öffentlich zugänglich.