Die Imagination und das Imaginäre. Zur Theorie der Blickregime im Feld der Kulturanalyse

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Der Spiegel täuscht und enthüllt, verspricht und demontiert. Narziss – so der Mythos – entspringt der Faszination der Spiegelung und fällt ihrem ‚Totalisierungszwang‘ zum Opfer. Die Fallstricke und Manöver der Spiegelfechterei, deren stets wiederkehrende Beispiele in der Kultur- und Mediengeschichte die Aporie bezeugen, die das Imaginäre im raumzeitlichen Dazwischen von Ideal-Ich und Ich-Ideal, von Identifikation und Antizipation, ausgestaltet, verweisen auf die ‚Fuge zwischen dem Symbolischen und Imaginären in der Konstitution des Realen‘ (J. Lacan). Von dieser ausgehend lässt sich eine Theorie der Blickregime und Schnitt-Bilder (von der Malerei über die Fotografie bis zu den analogen und digitalen Bildmedien) skizzieren, die die Kluft von Auge, Blick und Bild lesbar macht, auch und gerade in den zeitgenössischen performativen Künsten.
 
Georg Christoph Tholen, geb. 1948, studierte Philosophie, Psychologie und Soziologie an den Universitäten Bonn, Köln, Marburg und Hannover, Promotion 1986, Habilitation 1995; seit 2001 Ordinarius für Medientheorie mit kulturphilosophischem Schwerpunkt an der Universität Basel. Forschungsschwerpunkte u.a.: Erinnern und Vergessen, Raum und Zeit, Aisthesis und Medialität. Veröffentlichungen u.a.: Wunsch-Denken. Versuch über den Diskurs der Differenz (1986), Die Zäsur der Medien. Kultur­philo­sophische Konturen (2002). Herausgeber u.a.: Eingebildete Texte. Affären zwischen Psychoanalyse und Literaturwissenschaft, zus. m. J. Hörisch (1985), Phantasma und Phantome. Gestalten des Unheimlichen in Kunst und Psychoanalyse (1995), Das Vergessen(e). Anamnesen des Undarstellbaren, zus. m. E. Weber (1997), Übertragung-Übersetzung-Überlieferung, zus. m. M. Riepe, G. Schmitz (2001), SchnittStellen. Basler Beiträge zur Medienwissenschaft, zus. m. S. Schade, T. Sieber (2005), Blickregime und Dispositive audiovisueller Medien, zus. mit N. Elia-Borer, S. Sieber (2011). Mitherausgeber und leitender Redakteur der Zeitschriften „Fragmente. Schriftenreihe für Kultur-, Medien- und Psychoanalyse? (1981–2000), E-Journal „Zäsuren? (2000); Herausgeber der Buchreihe „MedienAnalysen?, transcript Verlag (2008 f.)