«Von der Einflussmacht des Analytikers und der Wahrheit seiner Methode»

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Der Vortrag handelt von der unterlassenen Selbstaufklärung der Psychoanalyse und versucht die Frage zu klären, wie der Analytiker zu seinen Wahrheiten kommt. Die Selbstbefragung der Psychoanalyse mit ihren eigenen Erkenntnismitteln hat den Analytiker als Subjekt der Analyse zum Gegenstand wie auch das psychoanalytische System, das Setting, die therapeutischen Mythen und ätiologischen Theorien als Objekt der Analyse. Es wird zu klären sein, unter welchen weltanschaulichen und gesellschaftlichen Bedingungen der Analytiker sein Setting wählt, durch das er sich eine Wahrnehmungsorganisation schafft, um zu seiner je schulspezifischen Wahrnehmungserkenntnis zu kommen. Es wird auch zu klären sein, unter welchen Konstruktionen der Patient zu welcher Wahrnehmung und zu welchem Handeln kommen kann, und wie sich die Einflussmacht des Analytikers auswirkt bei den hergestellten Wahrheiten des Analysanden. Dabei sollen die gängigen therapeutischen Mythen über die Selbsterforschung des Subjekts zur Diskussion gestellt und auch die ätiologischen Konstruktionen der neueren Entwicklung in der Psychoanalyse als Inkulpationsideologien gegen die Mütter entmystifiziert werden. Im Mittelpunkt der Erörterung steht also der Analytiker als das Einfluss nehmende Subjekt, die Frage danach, wie er zu seiner Wahrnehmung kommt, von welcher Weltanschauung er geleitet ist, wie er von seiner Einflussmacht Gebrauch macht, was seine Güte ausmacht und was sich nach der jeweiligen schultypischen Anschauung vom Menschen und der Welt im Einflussgeschehen für den Patienten als ungesagter Zielbestimmung vollzieht. Prof. Dr. med. M. Pohlen, Emerit. Direktor der Klinik für Psychotherapie der Philipps-Universität Marburg ist Facharzt für Neurologie/Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin und Psychoanalytiker.VeröffentlichungenGrundlagenforschung zur Psychoanalyse und Psychotherapie, vielfältige innovative klinische und empirische Arbeiten in Fortführung der experimentierenden Tradition in der Psychoanalyse (Reich, Ferenczi, Federn u.a.); insbesondere Arbeiten zur Psychotherapie der Psychosen; wissenschafts- und kulturtheoretische Veröffentlichungen, methoden- und erkenntniskritische Arbeiten zum klinischen und Wissenschaftscharakter von Psychoanalyse, vor allem innovative Arbeiten zur Begründung einer psychodynamischen Praxistheorie.Hauptveröffentlichungen: Monographien gemeinsam mit Margarethe Bautz-Holzherr zur psychotherapeutischen Grundlagenforschung und zur Begründung einer klinischen Psychodynamik: «Eine andere Aufklärung – das Freudsche Subjekt in der Analyse» (Suhrkamp 1991 und 2001); «Psychoanalyse – das Ende einer Deutungsmacht» (rowohlts enzyklopädie 1995); «Eine andere Psychodynamik – Psychotherapie als Programm zur Selbstbemächtigung des Subjekts» (Huber 2001/2002; mit Psychodiagnostik- und Behandlungsinventar auf CD-ROM).