Gespräch über die Frage der Kastration

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Nach Freud (1937c) stösst jede psychoanalytische Kur, sei es bei Mann oder Frau, am Ende auf das Verhältnis der/des Analysierten zum Kastrationskomplex. In der Analyse des Kleinen Hans hatte er die Bedeutung der Phantasie des Kindes über den Geschlechtsunterschied entdeckt (alle haben einen Penis / die Penislosigkeit des Mädchens ist Folge der Kastration) und diese mit dem strukturbildenden Ödipuskomplex in Verbindung gebracht. Damit wird die Kastration für ihn zum Ordnungsprinzip im Unbewussten. Um diese Frage wurde seit den Fünfzigerjahren in Frankreich eine Diskussion geführt, welche die Kastration ins Zentrum des psychoanalytischen Interesses rückte (Lacan, Dolto, Leclaire, Laplanche, Deleuze, Guattari, Green).Dieses Denken soll auf seine Nützlichkeit, seine Plausiblität und seine Wirkung auf unser Theorie- und Subjektverständnis hin befragt werden. Dafür haben wir die Form einer Disputation gewählt, um die Implikationen dieser Entwicklung schärfer darstellen zu können. Unter der Leitung von Helmut Holzhey und dem Beisitz von Peter Schneider und Christine Borer versucht Martin Kuster die innere Logik dieser Entwicklung nachzuzeichnen, während Daniel Strassberg den damit verbundenen Verlust an Offenheit aufzeigen wird.Martin Kuster und Daniel Strassberg sind Mitglieder der PSZ und arbeiten als Psychoanalytiker in freier Praxis.Helmut Holzhey ist emeritierter Professor für Philosophie der Universität Zürich. Christine Borer und Peter Schneider sind Mitglieder des PSZ und arbeiten psychoanalytisch in freier Praxis.