Kurs 6

Psychosomatik

Beginn 23. Oktober 2012 12:00
20.30 Uhr, 14-täglich

Informationen

«Der Neurastheniker (Hypochonder, mit Angstneurose Behaftete), der seine Schmerzen beschreibt, macht dabei den Eindruck, als sei er mit einer schwierigen geistigen Arbeit beschäftigt, die weit über seine Kräfte geht. Seine Gesichtszüge sind gespannt und wie unter der Herrschaft eines peinlichen Affektes verzerrt, seine Stimme wird schriller, er ringt nach Ausdruck, weist jede Bezeichnung, die ihm der Arzt für seine Schmerzen vorschlägt, zurück, auch wenn sie sich später als unzweifelhaft passend herausstellt; er ist offenbar der Meinung, die Sprache sei zu arm, um seinen Empfindungen Worte zu leihen, diese Empfindungen selbst seien etwas Einziges, noch nicht Dagewesenes, das man gar nicht erschöpfend beschreiben könne, und darum wird er auch nicht müde, immer neue Details hinzuzufügen, und wenn er abbrechen muss, beherrscht ihn sicherlich der Eindruck, es sei ihm nicht gelungen, sich dem Arzte verständlich zu machen.» Freud, S., Studien über Hysterie (1895), G. W. I, 197f.
 
«Viel Glück. Hoffentlich findet er was, das bei Dir nicht in Ordnung ist ... Ich meine damit nichts schlimmes Schlimmes, ich meine nur so viel Schlimmes, um Dir zu beweisen, dass Du recht hast, dass Du was Schlimmes hast und es schlimm war, dich für verrückt zu halten.» Rose zu Dorothy auf dem Weg zum Arzt in «Golden Girls», 5. Staffel, NBC, 1989
 
Patienten und Therapeuten scheinen irgendwie nicht füreinander geschaffen zu sein. Der Wunsch, zu verstehen und verstanden zu werden, eint und entzweit Patient und Behandler. In ihrem Versuch, den Menschen als Ganzes zu erfassen, bleibt die Psychosomatik letztlich Utopie. Ihre Konzepte hinken immer ihrer Zeit hinterher, denn ihr Gegenstand, ihre Krankheitsbilder, sind Zeitkrankheiten. Ausgehend von Freuds Begriff der Aktualneurose werden wir anhand ausgesuchter Texte aus den vergangenen bald 120 Jahren verschiedene psychoanalytische Konzepte von Psychosomatik betrachten. Wir versuchen, den geschichtlichen und kulturellen Hintergrund, vor dem sich diese Konzepte entwickelt haben, zu erhellen und sie auf ihre Gegenwartstauglichkeit abzuklopfen.
 
Lektüre für den ersten Abend:
Freud, S., Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, 24. Vorlesung, Die gemeine Nervosität (1917), StA. I, 367 – 79 oder G. W. XI, 392
Freud, S., Die Sexualität in der Ätiologie der Neurosen, StA. V, 11 – 35 oder G. W. I, 489ff
 
Keine Anmeldung erforderlich.
Der Kurs ist geeignet für Anfänger.
 
Geeignet für «PSZ für Studierende»
Kurskosten: Fr. 120.–