Kurs 9

«rien ne va plus» - oder doch? Annäherung an affektive Grenzzustäne

Beginn 4. April 2012 12:00
20.30 Uhr, 14-täglich

Informationen

Im Praxisalltag arbeiten wir heute oft mit sog. «heterogenen» Fällen, «Grenzfällen», wie sie in der französischen Psychoanalyse bezeichnet werden. Neben unserem «klassischen Verständnis» einer Psychoneurose sind wir gefordert, uns ein erweitertes Verständnis für dieses archaische psychische Geschehen zu erarbeiten. Denn diese oft gefährlichen Zustände von Triebdurchbrüchen, Desorientierung, Einbrüchen in den Ichstrukturen, emotionalen Erstarrungen prägen das analytische Beziehungsgefüge. Diese Konfrontationen verwickeln uns, fordern uns heraus, können aber auch in ihrer Destruktivität im analytischen Setting zu entgleisen drohen.
Wie können wir diesen schwierigen «Knotenpunkten», ihrer scheinbaren Unmöglichkeit der psychischen Erfahrung, eine Wende geben in Richtung seelischer Veränderung und seelischer Entwicklung? Wieweit sind wir in der Lage, unseren inneren affektiven und intellektuellen Denkraum immer wieder herzustellen – und somit auch den analytischen Prozess aufrecht zu erhalten?
In den vergangenen zwei Semestern beschäftigten wir uns mit Texten von Freud, Klein, Rosenfeld, Green und Roussillon. Wir vertiefen nun unsere Literaturarbeit, um diese schwierigen, anspruchsvollen Situationen und Prozesse zu verstehen. Dazu knüpfen wir inhaltlich an folgende analytischen Diskurse an:
– Negativer Narzissmus (A. Green)
– Subjektive Triebaneignung und Symbolisierung (R. Roussillon)
– Projektive Identifikation (Postkleinianische Literatur) 
– Autistische Zustände (T. Ogden, F. Tustin)
– Angst vor dem Zusammenbruch (D.W. Winnicott)
Wir werden Überschneidungen und Besonderheiten dieser Konzepte zu erfassen versuchen und diskutieren. 
Der Kurs richtet sich an Teilnehmende, die mit diesen Grundfragen schon etwas vertraut sind oder sich in ihrem Berufsalltag damit beschäftigen.
Anmeldung: 
Vreni Schärervschaerer@gmx.net
 
 Kurskosten: Fr. 120.–