Kurs 15

«Worte rufen Affekte hervor…» (S. Freud, 1917)

Beginn 12. April 2012 12:00
20.30 Uhr, 14-täglich

Informationen

Uns interessieren zwei sich überschneidende Themenkreise:
Man spricht in letzter Zeit vom «emotional turn» und meint damit von der Hirnforschung bis zur Kunsttheorie, dass letztlich alles Menschliche über Emotionen laufe, dass das Affektive den Graben zwischen Ich und Welt aufheben könne und der Subjektbegriff der Psychoanalyse damit ausgedient habe («Ich fühle, also bin ich». Antonio Damasio). In diesem Diskurs erscheint die Psychoanalyse als sprachlastig und unsinnlich. Auf der anderen Seite wird sie gerade für die individualistische Emotionalisierung unseres Alltags verantwortlich gemacht (Eva Illouz).
 
Die Psychoanalyse verfügt, obwohl ihrer Bestimmung nach immer mit Angst, Euphorie, Wut konfrontiert, über keine eigentliche Affekttheorie – das ist doch erstaunlich. Das Diktum von André Green, dass eine Analyse nur durch Affektveränderung gelingen könne, steht neben demjenigen Lacans, wonach der Rückgriff aufs Affektive die Analyse in eine Sackgasse führe. Freud hatte gezögert, den Affekten einen Platz zuzuweisen: indem sie verspürt werden, seien sie dem Bewusstsein bekannt, nur die Vorstellung resp. das zu Grunde liegende Ereignis werde verdrängt. («...der Affektzustand wäre ebenso gebaut wie ein hysterischer Anfall...», 1917.) Ab 1923 anerkennt er sowohl bewusste als auch unbewusste Affekte.
 
An den Kursabenden werden Artikel aus den zwei Themenkreisen vorgetragen, in Vergleich gebracht und diskutiert. Daraus ergibt sich vielleicht eine eigene Sichtweise oder zum mindesten ein Affekt.
 
Keine Anmeldung erforderlich.
 
Geeignet für «PSZ für Studierende»
Kurskosten: Fr. 120.–