Kurs 09

Grenzfälle der psychoanalytischen Praxis - aus der Sicht der französischen Psychoanalyse

Beginn 10. April 2019 20:30
Mittwoch 14-täglich

① Metapsychologie
② Psychoanalytische Krankheitslehre

Dozenten

Informationen

In diesem über zwei Semester angelegten Kurs beschäftigen wir uns mit der Thematik der «Grenzfälle». Es handelt sich um eine Patientengruppe, die wir in der Literatur unter verschiedenen Bezeichnungen antreffen: nicht-neurotische Störungen, frühe Störungen, narzisstisch-identitäre Störungen, Borderline-Störungen, etc.
Im Zentrum der Schwierigkeiten der Betroffenen steht ein gescheiterter Subjektivierungsprozess, das heisst, die subjektive Triebaneignung und Symbolisierung («Wo Es war, soll Ich werden» S. Freud, 1923) sind nur mangelhaft gelungen. Die Ich-Struktur ist fragil und die Grenzen zwischen innen und aussen, zwischen Ich und Objekt gehen verloren. Die PatientInnen leiden unter schweren Ängsten und geraten in Abhängigkeiten, die sie gleichzeitig sehr fürchten. Es besteht eine Neigung zum Agieren: Was symbolisch nicht repräsentiert und erinnerbar ist, kehrt auf der Handlungsebene wieder. Statt auf psychische Konflikte treffen wir auf Dilemmata und paradoxe Konstellationen. Die Abwehr zentriert sich um die Spaltung und die Übertragung beruht weniger auf Verschiebung als auf Wiederholung durch Umkehrung. In der Gegenübertragung kommen wir dadurch mit den traumatischen Erfahrungen in Berührung, gegen die sich diese PatientInnen organisieren mussten.
Mit Hilfe ausgewählter Texte der zeitgenössischen französischen Psychoanalyse wollen wir zum Verständnis der Merkmale dieses Störungsbildes beitragen und die Schwierigkeiten der Arbeit mit diesen PatientInnen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten.