Kurs 06

„In den Himmel kommen ohne zu sterben“... Zur Theorie von affektiven Grenzzuständen

Beginn 1. November 2016 20:30
Dienstag 14-täglich

① Metapsychologie
② Psychoanalytische Krankheitslehre

Dozenten

Informationen

Der Klinik- und Praxisalltag fordert uns auf eine besondere Weise heraus: Menschen mit sogenannten „frühen Störungen“, Grenzfälle, wie die franzö-sische Psychoanalyse sie nennt, verlangen einen erweiterten Umgang mit unsern klassischen psychoanalytischen Konzepten. Wie orientiert sich das klinische Denken und Handeln in diesem oft dramatischen psychischen Geschehen? Welches Verständnis hat sich die heutige Metatheorie für dieses archaische psychische Geschehen erarbeitet? Oft sind die bedrohlichen Behandlungsverläufe von Triebdurchbrüchen, Desorientierung, psychosomatischen Verwicklungen geprägt. Sie belasten das Beziehungsgefüge des analytischen Paares aufs äusserste. Zeitweilig drohen solche Zustände von Spaltungen, Dissoziation in ihrer destruktiven Wucht im analytischen Setting zu entgleiten. Wie können solche paradoxen Krisen in der gemeinsamen Arbeit in der Übertragung/Gegenübertragung in einen psychischen Raum gebracht, repräsentiert und so einem Verarbeitungsprozess zugänglich gemacht werden?
Um unseren persönlichen Denk- und Gefühlsraum immer wieder herzustellen und so den analytischen Prozess aufrecht zu erhalten, benötigen wir die Theorien der zeitgenössischen Psychoanalyse.
Wir werden im Kurs über Literaturarbeit versuchen, solche anspruchsvollen Situationen und Prozesse besser zu verstehen. Dabei sollen Autoren wie A. Green, Ch. Bollas, R. Roussillon, D.W. Winnicott, C. und S. Botella u.a. als Einstieg zu Worte kommen. Im nächsten Semester werden wir uns weiter in die Fragestellungen vertiefen. Die theoretischen Zugangsweisen wollen wir zusammen durch eigene Fallbeispiele zusätzlich ergänzen.
Der Kurs richtet sich an junge BerufseinsteigerInnen mit Neugierde an/auf psychoanalytische Konzepte der Grenzfallproblematik und an erfahrene BerufskollegInnen. Dies bietet die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch von Fragen und Erfahrungen. Inputreferate werden von den einzelnen Teilnehmenden vorbereitet und dienen als Grundlage für die einzelnen Kursabende.