Kurs 22

Psychoanalyse und Kantische Ethik ---- ABGESAGT!

Beginn 13. Januar 2007 01:28
10 Uhr, Blockseminar

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Dieses Seminar wurde krankheitshalber leider abgesagt.


Freuds distanziertes Verhältnis zur klassischen wie zur zeitgenössischen Philosophie ist bekannt. Auffällig ist dennoch eine gewisse Ausnahme-stellung Kants: Sowohl von der theoretischen als auch von der praktischen Philosophie Kants sucht Freud sich nicht nur abzusetzen, sondern empi-risch-genetisch Rekonstruktionen für zentrale kantische Konstrukte vorzu-legen, wie die Lehre von Raum und Zeit oder das Konzept des Kategori-schen Imperativs, für das Freud die Instanz des Über-Ichs als «Ersatz» aufbietet. Aus philosophischer Sicht erscheinen die Freudschen Bemü-hungen zwangsläufig naiv, weil sie die transzendentalphilosophische Grundanlage bei Kant völlig ausser acht lassen und sich uneingeschränkt auf beobachtungstheoretischen Boden stellen; zudem geht der Bezug auf Kant über kurze, im Werk verstreute allgemeine Stellungnahmen nicht hinaus.Einen besseren Zugang zu einer Diskussion der Beziehungen von Kanti-scher Ethik und Psychoanalyse bietet das Lacansche Werk. Nicht nur ist Lacan generell darum bemüht, die Freudsche Psychoanalyse auf ein theo-retisches Niveau zu heben, das sie für philosophische Diskussionen an-schlussfähig macht, sondern gerade bei der Formulierung einer «Ethik der Psychoanalyse» steht die Kantische Ethik erkennbar Pate, und das, ob-gleich Lacan in «Kant mit Sade» (ähnlich wie Freud mit dem Konzept des Über-Ichs) die Unerbittlichkeit der Kantschen Pflicht in die Sadesche Per-version einmünden lässt. Die wirklich Kantischen Anstösse sind bei La-can wohl eher im eigenen Verständnis eines Gesetzes des Begehrens zu finden als in der unmittelbaren Auseinandersetzung von Lacan mit Kant, und vor allem um deren Offenlegung und Erörterung soll sich die Veran-staltung genauso drehen wie um die genuinen Perspektiven der Kanti-schen Philosophie, wobei neben Fragen der Ethik und Ethikbegründung auch der Status der Einbildungskraft zu behandeln sein wird. Der Kurs richtet sich an Philosophie-Interessierte PsychoanalytikerInnen.

Texte, mit denen gearbeitet wird: Kant, Immanuel: Kritik der reinen Vernunft (Transzendentale Ästhetik und Transzendentale Analytik); Kritik der praktischen Vernunft (v.a. Einleitung und erstes Buch); Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Freud, Sigmund: «Das Ich und das Es», in: Gesammelte Werke, Bd. XIII, S. 235-289 (v.a. Kap. III–V), und «Das ökonomische Problem des Masochismus», ebd., S. 368–383 Lacan, Jacques: «Kant avec Sade» in: Ecrits, Paris 1966, S. 765–790; «Kant mit Sade» in: SchriftenII, Olten 1975, Weinheim/Berlin 1986, S. 133–163 (eine wenig zuverläs-sige Übersetzung). Lacan; Jacques: Le Séminaire Livre VII: L’éthique de la psychanalyse, Paris 1986, Das Seminar Buch VII: Die Ethik der Psychoanalyse, Weinheim/Berlin 1996 (v.a. Kap. IV–VIII und XIII–XV) Bernet, R.: «Subjekt und Gesetz in der Ethik von Kant und Lacan», in: Gondek, H.-D./Widmer, P. (Hg.): Ethik und Psychoanalyse, Frankfurt/Main 1994, S. 27–51 (das Buch ist leider vergriffen) Begleitende und vorbereitende Lektüren: Baas, Bernard: Le désir pur, Louvain 1992; Das reine Begehren, Wien 1995 (v.a. Text 1). Gondek, H.-D.: Angst Einbildungskraft Sprache, München 1990 (v.a. Kap. II) (als Buch vergriffen, kann aber als pdf-Datei unter «boer.de» heruntergeladen werden) Boehme, Tim Caspar: Ethik und Geniessen. Kant und Lacan, Wien 2005 *Kurszeiten: Samstag 10.00–13.00 Uhr, 14.30–17.30 Uhr, Sonntag 10.00–13.00 Uhr Anmeldung bis 15. November:
Vera Saller vera.saller@hispeed.ch Nach Eingang der Anmeldungen wird eine Literaturliste mit genauen Angaben der Textstellen, die wir gemeinsam diskutieren, verschickt. Kurskosten: Fr. 200.–