Kurs 15

Aus dem Blick verlieren - Über psychoanalytisches Denken und freies Assoziieren

Beginn 30. Oktober 2014 20:33
Donnerstag

① Metapsychologie
③ Klinische Ausbildung
⑤ Gesellschafts-, Kultur- und Wissenschaftstheorie

Dozenten

Informationen

J.-B. Pontalis (1924–2013), von dem wir den Seminartitel ausgeliehen haben, gehört zusammen mit Jean Laplanche (1924–2012) zu den hervorragendsten Kennern der Freudschen Werke. Man denke nur an «Das Vokabular der Psychoanalyse». Er hat psychoanalytische Theorien und psychoanalytisches Denken in seiner geradezu literarischen Sprache immer wieder einer kritischen Lektüre unterzogen und sich vehement davon distanziert, die Psychoanalyse auf eine therapeutische Technik zu reduzieren oder spezifische «Denk-Schulen» zu gründen. Lektüre und Diskussion von Artikeln wie «Aktualität des Unbehagens», «Die Übertragung, die man negativ nennt», «Paradoxien des Winnicott-Effekts», «Der regungslose Mensch» u.a. (alle 1991) sollen jeweils in der ersten Stunde des Seminarabends anregen, das wahrzunehmen, was allzu oft in der Sprache oder in voreiliger Strukturierung eingesperrt wird.

In der zweiten Stunde der Seminarabende beschäftigen wir uns anhand von zunächst unkommentierten Transkripten realer Analysestunden bei Christopher Bollas (2011) mit Aspekten des freien Assoziierens, denen dieser eine zentrale Bedeutung beimisst, um dem Unbewussten Gelegenheit zu geben, mehrstimmig zu sprechen. Dabei wird es, der Freud’schen Empfehlung folgend, nicht primär darum gehen herausfinden zu wollen, was Patienten und Analysanden «meinen» oder «was vor sich geht» (Bollas, 2011, S. 56), sondern unseren eigenen Assoziationen zu diesen Analyseverläufen zu folgen und Bollas' Gedankenmustern und Kommentaren gegenüberzustellen.