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Ein Pladoyer für den Trieb

Eric Winkler
Kommentar
Ein Plädoyer für den Trieb Eric Winkler (Zürich) Als ich mich daran machte, diesen Beitrag zu schreiben, wurde ich von einer Schreibhemmung befallen, welche ich nur schwer überwinden konnte. Ob ich zu denjenigen der psychoanalytischen Community zähle, die, wie die Autoren einlei- tend schreiben, auf «wissenschaftliche Einflüsse von aussen und Entwicklungen innerhalb der Psychoanalyse oder Psychoanalysen …» mit Irritation und Ablehnung reagiere? Ich glaube, entscheidender war etwas anderes – nämlich der Umstand, dass ich unter dem Eindruck stand, zuerst ganz vieles richtig stellen zu müssen, bevor ich überhaupt zur Mentalisierung Stellung nehmen konnte. Und mit dem Richtig-Stellen ist es so eine Sache: Erstens kommt man sich schulmeisterlich vor und zweitens riecht es eben doch auch nach Abwehr. Und doch, es muss sein! Die Autoren gehen von einem schrecklich antiquier - ten und verzerrten Bild des Psychoanalytikers aus, einem nämlich, der nur deuten will, nie Fragen stellt und dem es weniger darum geht, einen psychoanalytischen Prozess in Gang zu bringen, als vielmehr darum, seiner obersten Maxime nachzu- leben, die da heisst, die Neutralität einzuhalten. Es ist müssig, jedem Freudleser zu sagen, dass schon der Meister selber nicht so gearbeitet hat – Johannes Cremerius hat dies schon vor dreissig Jahren in seinen Arbeiten, z. B. In «Freud bei der Arbeit über die Schulter geschaut», dargelegt. Die Autoren schreiben, als habe es gar keine Weiterentwicklungen, keine weiterführenden Deutungen von Freuds Schriften gegeben – oder, als würden diese gar nicht rezipiert: Bion und Winnicott werden zwar erwähnt, aber gleichsam, als würden sie in Widerspruch zur Theorie und Praxis der heutigen Psychoanalyse stehen. Vor allem aber, als gebe es nicht diesen reichen Fundus in Freuds Werk selber, das mit seiner ungeheuren Fülle an Theorie, an Gedankengängen und Gedankensplittern, mit seinen Widersprüchen und teils rätselhaften Botschaften die Menschen zum Weiterdenken und Deuten bringt wie kaum ein anderes Werk. Wenn die Autoren, Eagle zitierend, schreiben, dass «sämtliche basalen Annahmen der Psychoanalyse auf dem Prüfstand stehen» (3) und, dass dies selbst den Begriff des Unbewussten betreffe, so würde man schon gerne erfahren, was sie genau damit meinen. Eine psychoanalytische Theorie ohne die Annahme eines Unbewussten wäre allerdings eine Contradictio in adjecto. Soweit gehen die Autoren aber nicht; der Begriff des Unbewussten, schreiben sie, unterliege © 2020, die Autor_innen. Dieser Artikel darf im Rahmen der „Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International“ Lizenz ( CC BY-NC-ND 4.0 ) weiter verbreitet werden. D OI 10.1875 4/jf p. 52 .4 Mentalisierungskonzept und Psychoanalyse 40 Eric Winkler aber «einer ständigen Umarbeitung und Anpassung an die wissenschaftlichen Entwicklungen, die sich relational, d. h. intersubjektiv orientieren.» Ich habe nie verstanden, wie man die Psychoanalyse als nicht relational und nicht intersubjektiv orientiert verstehen kann – sie ist das allemal, nur kommt etwas Drittes hinzu, das die Beziehung zwischen Analytiker und Analysand kennzeichnet, die Übertragung natürlich, die wiederum ohne die Annahme eines Unbewussten nicht zu verstehen ist. Weiter im Text heisst es: «So kommen (…) verschiedene psychoanalytische Grundpfeiler ins Wanken. Gleichzeitig scheint es fundamentalistische Rückzüge auf eine etablierte klassische Theorie zu geben.» Nun, an einem Rückzug bin ich nicht interessiert, schon gar nicht an einem fundamentalistischen. Mir scheint, dass vieles, was hier gesagt wird, altem Wein in neuen Schläuchen entspricht, dass Bateman und Fonagy doch recht haben, wenn sie «nicht müde werden zu betonen, dass sie keine neue Therapie erfunden hätten». Ich möchte dies anhand eines «psychoanalytischen Grundpfeilers» aufzeigen, eines Pfeilers, der meiner Meinung nach überhaupt nicht wankt, sondern fester verankert bleibt (und das Gebäude trägt!) denn je. Ich meine damit den Oedipuskomplex und möchte dies über einen kleinen Umweg aufzeigen. Die Autoren schreiben: «Eine bereits pränatal vorhandene triadisch struktu- rierte Innenwelt und Kompetenz beider Eltern begünstigt die Fähigkeit des Säuglings zur späteren triadischen Beziehungsgestaltung. Die Mentalisierungsfähigkeit wird häufig als Ergebnis einer gelungenen dyadischen Beziehung verstanden. Die dya- disch orientierte Psychoanalyse hat einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass die entwicklungspsychologische Ausschliesslichkeit der Mutter-Kind-Dyade zu einem – verhängnisvollen – Dogma in der Psychoanalyse geworden ist». Und einige Seiten weiter: «Das Axiom der therapeutischen Haltung ist entwicklungspsycholo- gisch begründet: Die Interaktionen zwischen Mutter und Kind, die zu einer sicheren Bindung führen, sind paradigmatisch für die therapeutische Beziehung in der mentalisierungsbasierten Psychotherapie». Abgesehen davon, dass der Vorwurf des dyadisch-orientiert-seins an die Psychoanalyse im Widerspruch steht zum behaupteten Axiom der therapeuti- schen Haltung der MBT, ist es falsch, die Psychoanalyse als «dyadisch orientiert» zu bezeichnen. Die Begriffe Dyade, Triade und Triangulierung kommen zwar bei Freud nicht vor, aber man kann mit Fug und Recht behaupten, dass das Triangulierende, der Einbezug des Dritten zum Wesen der psychoanalytischen Theorie gehört – vielmehr noch als die Zahl zwei ist die Zahl drei ihr Symbol. Natürlich findet die psychoanalytische Behandlung in der Zweiersituation statt, aber: «In der Analyse ist Journal für Psychoanalyse 52 Ein Plädoyer für den Trieb 41 die Übertragung die Form der Präsenz des Dritten.» (Knellessen, Passett, Schneider 2003: 100) Paradigma für die Idee der Triangulierung ist der Oedipuskomplex – der Oedipuskomplex nämlich nicht nur als Entwicklungsschritt gedacht, sondern als Struktur, als eine Konfliktsituation, bei der es darum geht, die Präsenz eines Dritten anzuerkennen – sei es in der äusseren Realität oder sei es in der inneren, mit dem unbewussten Wunsch. Mehrmals hat Freud etwas zum Schibboleth der Psychoanalyse erhoben, also zu dem, was das Wesen der Psychoanalyse ausmacht; neben dem Ödipuskomplex (in einer Fussnote von 1915 in den «Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie») waren es das Unbewusste und der Traum. Das Unbewusste als das den Menschen dezen- trierende Moment, das, was ihn nicht Herr im eigenen Haus sein lässt, steht für die innere Triangulation – ebenso der Traum, der die Via regia zu diesem Unbewussten darstellt. Freud wird vorgeworfen, dass er, entwicklungspsychologisch gesehen, das triangulierende Moment des Auftauchens des Vaters, den Ödipuskonflikt also, viel zu spät ansetzt, was seine Richtigkeit haben mag. Aber schon längst haben verschiedene TheoretikerInnen, allen voran Melanie Klein, aber auch Lacan, dies anders konzipiert – und schon Freud hat die Fährte dazu gelegt, wenn er z. B. 1922 schreibt «…denn hinter ihm (dem Ichideal ew) verbirgt sich die erste und bedeutsamste Identifizierung des Individuums, die mit dem Vater der persönli- chen Vorzeit.» (Freud 1923b: 298/99). Zwar fügt er in einer Fussnote an: «Vielleicht wäre es vorsichtiger zu sagen, mit den Eltern, denn Vater und Mutter werden vor der sicheren Kenntnis des Geschlechtsunterschiedes … nicht verschieden gewer - tet.» – und doch führt Freud damit etwas Drittes ein, indem er diesen Vater oder eben diese Eltern neben die pflegende Mutter stellt. Bei vielen, wenn nicht gar bei allen grossen in der Nachfolge Freuds konzipierten psychoanalytischen Theorien und Begriffen handelt es sich um Variationen, Deutungen der Triangulation und damit des Ödipuskonflikts – es seien nur Lacans Theorie des Mangels und des Symbolischen, Melanie Kleins Konzept der depressiven Position und Winnicotts Übergangsobjekt genannt. Eine präzise Definition der Mentalisierung geben die Autoren nicht, diese wird eher umschrieben: «‹Ich denke und fühle, also mentalisiere ich.› Mit Mentalisieren wird ein spezifisch ‹menschliches Merkmal› beschrieben, welches den Menschen vor der unbeseelten Welt unterscheidet … schliesslich ist Menta- lisieren … ein Prozess, eine Fähigkeit oder Fertigkeit …». «Anstelle des Begriffs Mentalisierung bevorzugen wir heute Mentalisieren, womit deutlicher wird, Mentalisierungskonzept und Psychoanalyse 42 Eric Winkler dass es sich um eine aktive Fertigkeit handelt. Das Verstehen und Erfassen der zugrunde liegenden Gedanken und Gefühle des Anderen ist das Ergebnis eines umfassenden entwicklungspsychologischen Beziehungsprozesses». «Eine sichere Bindung führt (…) schliesslich über die eintretende Mentalisierungsfähigkeit zur Fähigkeit, das Gegenüber sowohl kognitiv wie affektiv psychologisch richtig zu interpretieren.» Diese Gedanken und die weiteren Ausführungen der Autoren legen nahe, dass es sich bei der Mentalisierungsfähigkeit um eine weitere Variation des Triangulation-Themas handelt – weniger um eine neue Theorie der Psychoanalyse als allenfalls um eine speziell für Patienten mit einer Borderlinestörung konzipierte Therapiemethode, eine Methode zudem, die mit ganz vielen Versatzstücken der Psychoanalyse arbeitet. Die Aussage, es gehe um die «Fähigkeit, das Gegenüber sowohl kognitiv wie affektiv psychologisch richtig zu interpretieren», macht stutzig, entspricht doch aus psychoanalytischer Sicht jede Erkenntnis – und das gilt ganz besonders für jede Interpretation der Äusserungen eines Mitmenschen – einer Deutung, ist somit jede Erkenntnis subjektiv eingefärbt, so dass es zwar eine mehr oder weniger verzerrte, aber nie eine ganz richtige Erkennung des Anderen geben kann. Das Ganz-richtig- Erkennen-können widerspricht der psychoanalytischen Theorie des gespaltenen Subjekts, ja der Theorie des Unbewussten überhaupt, die jeden Menschen, ob gesund oder krank – es ist nur eine Frage des Ausmasses – zum «nicht Herr im eigenen Hause» macht. Dies führt mich zum Begriff des Triebs, der so wertvoll ist, nicht nur, weil er schon vom Wort her so schön zeigt, worum es geht – darum eben, dass der Mensch ein vom eigenen Inneren, der eigenen Konflikthaftigkeit Getriebener ist und alles andere als einer, der alles im Griff hat. Interessanterweise taucht das Wort Trieb im Text der beiden Autoren dort auf, wo sie sich zur Herkunft des Mentalisierungsbegriffs äussern, welcher der französischen psychosomatischen Schule entstamme: «Mit Mentalisierung wird in diesem Konzept die Transformation somatischer Triebqualitäten in symbolische Formen bezeichnet …». Der Bezug zum Körperlichen taucht im Text ein zweites Mal auf: «Affekte sind letztlich verkörperlichte Emotionen, deren Differenzierung der neue Weg in der Behandlungstechnik sein könnte.» Die zwei Aussagen zeigen, dass die Mentalisierungstheoretiker sich zwar auch Gedanken gemacht haben zum Trieb oder zu etwas, das dem Triebhaften nahe kommt – diese Überlegungen werden aber nicht weiter verfolgt. Die erste Aussage erinnert an Freuds Worte zum Trieb als «… ein Grenzbegriff zwischen Seelischem und Somatischem, als pychischer Repräsentant, der aus Journal für Psychoanalyse 52 Ein Plädoyer für den Trieb 43 dem Körperinnern stammenden, in die Seele gelangenden Reize, als ein Mass der Arbeitsanforderung, die dem Seelischen infolge seines Zusammenhanges mit dem Körperlichen auferlegt ist.» (Freud 1915c: 85) Freud hat das Unkontrollierbare am Menschen, das, was ihn im wörtlichen Sinn zum Subjekt, zum Unterworfenen seiner selbst macht, an zwei Orten festgemacht – am Unbewussten, das durch Verdrängungen entsteht, und am Trieb, den er dem Körperlichen zuordnete. Bekanntlich hat Laplanche die Triebtheorie Freuds weiterentwickelt, indem er in seiner «allgemeinen Verführungstheorie» Trieb und Verdrängungen gleich- sam zusammenfallen lässt. Der Trieb ist hier Folge der ersten Verdrängungen, die dadurch zustande kommen, dass das Kind von Anfang an mit «rätselhaften Signifikanten», die durchtränkt sind von Unbewusstem der Eltern, quasi bombar - diert wird. Da diese niemals alle vom Kind interpretiert, («übersetzt», wie Laplanche sagt) werden können, wird vieles verdrängt, was zu den «Quellobjekten» des Triebs, also zum Repräsentanten des Triebes, führt. Wesentlich ist, dass diese das Kind überfordernde Verführung, die einem Trauma gleichkommt, notwendigerweise zum Subjektwerden dazugehört – nur so ist zu erklären, dass wir alle mit dieser Spaltung, mit dieser inneren Triangulation, konfrontiert sind. Aus den Ausführungen der beiden Autoren wird nicht klar, wie in der Mentalisierungstheorie diese innere Dezentrierung des Subjekts erklärt wird, ja, ob sie überhaupt notwendigerweise zum Menschsein gehört – auch zum soge- nannt Gesunden. Den Triebbegriff gibt es offensichtlich nicht mehr. Jedenfalls wird auf die in der Definition der französischen psychosomatischen Schule genannten «Triebqualitäten» nicht näher eingegangen, wie auch der Hinweis auf das Körperliche nicht weiter ausgeführt wird. Vielmehr lässt, die im Artikel zum Ausdruck kommende Haltung vermuten, dass es in dieser Theorie kein Konzept gibt für das (Um-)Treibende, das zum Menschsein gehört, dass also Gesunde und Kranke – ganz im Gegensatz zu Freuds Sichtweise – scharf zu trennen sind. Nur so ist zu verstehen, dass es eine «psychologisch richtige» Interpretation geben kann, die nicht von unserer Geschichte, von unserem Triebschicksal beeinflusst ist. Natürlich gibt es ein mehr oder weniger verzerrtes Erkennen – und die Mentalisierungsbasierte Psychotherapie zielt auf solche Patienten, die zu ausgepräg- ten Verzerrungen neigen. Dass eine Behandlung, die gezielt auf die Verbesserung der Fähigkeit, Umwelt und Mitmenschen weniger verzerrt wahrzunehmen, Erfolg haben kann, leuchtet ein. Würde es da nicht genügen zu sagen, dass man Elemente der Kognitiven Verhaltenstherapie aufnimmt – mitnichten aber eine neue Theorie der Psychoanalyse konzipiert hat? Mentalisierungskonzept und Psychoanalyse 44 Eric Winkler In der MBT geht es offensichtlich darum, eine Fähigkeit zu erlernen – eben die Fähigkeit zu mentalisieren. Für einen psychoanalytisch Denkenden und Arbeitenden hat dies etwas Irritierendes, sind wir es doch gewohnt, mit dem Überschuss, mit Überschüssen, zu arbeiten – ganz entsprechend der Triebtheorie, welche von einem Zuviel ausgeht, einem Zuviel, das uns antreibt, umtreibt, gele- gentlich vertreibt. Die Patienten kommen zu uns mit zuviel Ängsten, zuviel Wut, zuviel Schuldgefühlen usw.. Was wir ihnen geben, ihnen leihen, ist in erster Linie unser Ohr: Wir versuchen zu hören, was nicht gehört werden kann – durchaus (wie schon oben angedeutet) auch bereit, aktiver zu werden, wo wir es für nötig halten, sei es mit Fragen, mit unterstützenden Bemerkungen, oder gar einmal mit Anleitungen, sollte es anders nicht gehen. (Allerdings gehen wir nicht so weit wie Freud, der einem Analysanden einmal seine Tochter zur Heirat empfohlen haben soll.) Das Arbeiten mit dem Überschuss entspricht auch Freuds Vergleich der Psychoanalyse mit der Archäologie: «Alles Wesentliche ist erhalten, (…) ist noch irgendwie und irgendwo vorhanden, nur verschüttet. (…) Es ist nur eine Frage der analytischen Technik, ob es gelingen wird, das Verborgene vollständig zum Vorschein zu bringen.» (Freud 1937: 397 f.). Oder anders gesagt, in den von den Autoren zitierten Worten Winicotts: «Psychotherapie (…) stellt im Grossen und Ganzen einen langfristigen Prozess dar, in welchem dem Patienten zurückgegeben wird, was er selbst einbringt» (16). Natürlich in durch die Deutung veränderter Form, möchte man ergänzen. Ich bin mir nicht sicher, ob es die Psychoanalytiker nötig haben, sich von den Neurowissenschaften inspirieren zu lassen. Mir scheint es eher so, als würden die Naturwissenschaften Erkenntnisse der Psychoanalyse im Nachhinein bestä- tigen. Das gilt nicht nur für den Beweis der Existenz des Unbewussten, den sie kürzlich erbracht haben sollen. Die von den Autoren zitierte Beschreibung des Entstehens des Gedächtnisses aus neurobiologischer Sicht mit den Begriffen der Neueinschreibung, der Überschreibung, der Gedächtnisspur tönt so, als hätten die Wissenschaftler im berühmten Fliessbrief Freuds vom 6. Dezember 1896 gelesen, wo Freud bei seiner Darstellung des Verdrängungsvorganges exakt diese Begriffe anwendet. Und im Zürcher «Tages-Anzeiger» vom 25.November 2010 sagt der deutsche Neurowissenschaftler und (laut der Zeitung) führende Hirnforscher Ernst Pöppel in einem Interview: « Die These ist nun, dass personale Identität entschei- dend dadurch entsteht, dass ich mein eigener Doppelgänger sein kann. Dass ich mich auf mich selbst beziehen kann und so eine Geschichte meiner selbst erzeuge.» Ist dies nicht das, worum es in der Psychoanalyse schon längst geht, um die innere Triangulierung gleichsam? Journal für Psychoanalyse 52 Ein Plädoyer für den Trieb 45 Wenn die Autoren schliesslich meinen, die «Theory of mind» und das Mentalisierungsmodell hätten die Psychoanalyse wieder anschlussfähig gemacht , so lässt diese Wortwahl ebenso grosse Zweifel an der Potenz und Widerstandsfähigkeit der Psychoanalyse, wie den Glauben an die Übermacht der Neurowissenschaften vermuten. Literatur Freud, Sigmund (1915c): Triebe und Triebschicksale, Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag, StA Bd. III. Freud, Sigmund.(1923b): Das Ich und das Es, Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag, StA Bd. III. Freud, Sigmund (1937): Konstruktionen in der Analyse, Frankfurt a.M.: Fischer Taschenbuch Verlag, StA EB. Knellessen, Olaf, Pierre Passett und Peter Schneider (2003): Das Deuten der Psychoanalyse. Wien: Turia und Kant. Mentalisierungskonzept und Psychoanalyse