Nachruf
Nachrufe Ilka von Zeppelin (18.1.1936–7.7.2009) Beate Koch (Zürich) «Man könnte die Menschen in zwei Klassen abteilen; in solche, die sich auf eine Metapher und 2) in solche, die sich auf eine Formel ver- stehn. Deren, die sich auf beides verstehn, sind zu wenige, sie machen keine Klasse aus.» 1 Kleist ([1966] 1810), Fragment aus den Berliner Abendblättern, 802. Ilka von Zeppelin gehörte zu dieser seltenen Spezies: von ihrer Art gab es in der Tat wenige, und diese wenigen lassen sich schon aufgrund ihrer Eigenwilligkeit wohl in keine Klasse einordnen. Gemeinsam mit ihrem Mann Ulrich Moser suchte sie als klinische Psychologin und Psychoanalytikerin über Jahrzehnte nach einer Art der Modellbildung für die psychoanalytische Metapsychologie und einer ange messenen Abstraktionsebene für die Darstellung aus der klinischen Praxis gewon nene Erkenntnisse, die den Austausch mit anderen Wissenschaftsgebieten und Forschungsrichtungen erleichtern und der Psychoanalyse ihren Platz im Umfeld der modernen sciences of the mind sichern könnten. In ihrer Auffassung der psychoanalytischen Arbeit, die sie den Studierenden ihrer klinischen Kurse an der Universität Zürich und ihren zahlreichen Supervisand/innen 2 vermittelte, hatten Formel und Metapher nebeneinander ihren je unterschiedlichen Platz und Stellenwert: Abstraktion als Voraussetzung der Modellbildung und -klä- rung, Klarheit in der Konzeptualisierung und Gespür für die Mehrdeutigkeit und Einzigartigkeit jeder individuellen Geschichte waren für sie zentral. Ihre besondere Aufmerksamkeit und Liebe galt immer der Literatur. Sie war eine unermüdliche, zugleich neugierige und disziplinierte Leserin, die Anregungen in unterschied- lichste Richtungen folgte und es schätzte, literarische Eindrücke und Urteile in der © 2020, die Autor_innen. Dieser Artikel darf im Rahmen der „Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International“ Lizenz ( CC BY-NC-ND 4.0 ) weiter verbreitet werden. D OI 10.1875 4/jf p. 51. 2 3 Nachrufe 220 Beate Koch Diskussion zu überprüfen und dabei dem Gelesenen im Gespräch neue Facetten zu erschliessen. Mit über sechzig Jahren brachte sie 2005 ihr erstes Buch heraus, an dem sie lange und beharrlich gearbeitet hatte. Es ist nun leider die einzige und letzte literarische Arbeit Ilka von Zeppelins geblieben. «Dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmte: Eine Kindheit zwischen 1940 und 1948» (Zeppelin 2005) Ilka von Zeppelin wurde als zweites von vier Kindern 1936 in Berlin gebo- ren. Ihr Vater war Adjutant im Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft und, wie es in der Erzählung heisst, zuerst «immer im Dienst und dann immer im Krieg» (Zeppelin 2005: 19). Erst ein Jahr nach Kriegsende kehrte er zurück, nur um gleich wieder in der Internierung zu verschwinden. Die Mutter war als Tochter eines Diplomaten auf der mittelfränkischen Burg Hartenstein aufgewachsen und flüchtete sich aus dem zerbombten Berlin mit den kleinen Kindern dorthin, von ihrem Vater widerwillig aufgenommen. «Mami hatte alles vorbereitet»: So beginnt die Erzählung in charakteristischer Knappheit und versetzt den Leser damit unmittelbar in die Zeit der Luftangriffe, wie sie das vierjährige Kind erlebt. Die Mutter ist, wie später die Grossmütter,r aus seiner Sicht eine bruchlos idealisierte Figur. Die Unzuverlässigkeiten, die Härte und Grausamkeit und vor allem das Schweigen, das selbst die gelegentlichen Erklä- rungsversuche der Erwachsenen in Form einer eigentümlichen Stumpfheit durch- tränkt, werden vom Kind nicht in Frage gestellt: Eine Relativierung des emotionalen Halts, den Grossmutter und Mutter bieten, wäre undenkbar. In den Momenten, in denen die Mutter den Kindern zu helfen versucht, Bombennächte, schwere Krankheiten, Hunger und Entbehrung, das Verschwinden lieber Personen und die ganze Verlogenheit und Verwirrung zu bewältigen, die dem Leben unter der Naziherrschaft anhaftet, wird deutlich, wie diese Idealisierung dem Kind hilft, psy - chisch zu überleben. So faltet die Mutter «Zauberpapier», wenn sie mit den kleinen Kindern nach der Entwarnung aus dem Bunker zurückkehrt: ein Papierschiffchen, ein Blumenkohlröschen als Schornstein samt Rauch aufgesteckt, fährt dann in ferne Länder. Sie verwandelt auf einem frühmorgens noch in Dunkelheit und Kälte begonnenen Fussmarsch zum Besuch beim im Entnazifizierungslager inter nierten Vater die endlos scheinenden Waldstücke entlang der Landstrasse in Zauber wälder mit Schlössern aus Eis darin, in denen Prinzessinnen wohnen, um das zunehmend erschöpfte und verzweifelte 11-jährige Mädchen zum Weiterlaufen zu bewegen. Bald darauf erleben wir jedoch auch mit, wie im Zuge der fortschrei- tenden Entwicklung die Entzauberung dieser Mutterfigur einsetzt: Sie ist nun Journal für Psychoanalyse 51 Ilka von Zeppelin (18.1.1936–7.7.2009) 221 immer weniger in der Lage, Hunger, Erschöpfung und Angst mit Geschichten zu bannen, das Unvereinbare plausibel erscheinen zu lassen. Ekel erschwert es der Heranwachsenden, die wenige vorhandene Nahrung noch aufzunehmen. Dieser Ekel auf der Schwelle zur Pubertät, der eine schwere Essstörung einleitet, hat, so ahnen wir, verschiedene Wurzeln. Die Kunst der Erzählung liegt darin, wie die Autorin dem Leser eine psychi- sche Arbeit abverlangt, indem sie konsequent und kompromisslos nicht über die Reichweite der Erinnerungen und Erklärungsmöglichkeiten des Kindes hinausgeht. Der Leser muss die Welt aus der Sicht dieses Kindes sehen, seine Erfahrungen mit- und nachvollziehen, ist gezwungen, seine ganz eigene und besondere Perspektive und die damit verbundene affektive Stimmung zu teilen. In einer Skizze zu einem Vorwort für die zweite Auflage schreibt Ulrich Moser: «Schmerz, Schrecken und Angst, vernichtet zu werden oder jemanden zu verlieren, diese Gefühle verharren Konserven gleich ungeöffnet, verschlossen, unver daut und einer Verarbeitung nicht zugänglich über Jahre, ja Jahrzehnte», bevor überhaupt darüber berichtet und geschrieben werden kann (Moser 2005). Die Erzählung stellt so eine Befreiung mit literarischen Mitteln aus diesem Zustand der sprachlosen Konservierung dar, zugleich enthält sie immer wieder auf ein- drückliche und berührende Weise Zeugnisse solcher Konservierung traumatischer Erfahrungen in der Erinnerung. Ilka von Zeppelins schmaler Erinnerungsband endet 1948 mit der Ankunft des 12-jährigen Mädchens auf dem Flughafen von Shannon in Irland, wo es, vermittelt durch ein Hilfswerk, zur Erholung für zwei Jahre bei einer Quäkerfamilie untergebracht worden war. Wieder ist es ein knapper und schlichter Satz, der eine tiefe Verlorenheit in der neuen, zweifellos auch retten- den Umgebung andeutet, mit dem die Erzählerin den Leser wie ihre Protagonistin stehenlässt: «Als ich in Shannon ankam, es war schon dunkel, war niemand da, der mich abholte.» So war es eigentlich die Autorin, inzwischen Psychologin und Psycho ana ly- tikerin, der es erst viele Jahre später gelang, dieses Kind abzuholen: Ihre Kenntnisse der Entwicklungspsychologie, dabei ganz besonders Jean Piagets Theorie der kog- nitiven Entwicklung, waren eine Voraussetzung ihrer Entscheidung, sich in der Darstellung ganz an die Möglichkeiten und Grenzen psychischer Verarbeitung auf der jeweiligen Altersstufe zu halten und keine nachträglichen Bearbeitungen oder von anderen Personen nachträglich Erzähltes zu ihrem Erinnerungsmaterial hinzuzunehmen. «Zurückschauen musste ich aus der Ferne.» heisst es in Dorothea Dieck- manns Erzählung «Harzreise», die Ilka von Zeppelin in ihrem letzten Lebensjahr Nachrufe 222 Beate Koch las (Dieckmann 2008: 22). Nur vereinzelte Notizen in ihrem Nachlass verweisen auf das Projekt, eine Fortsetzung der Erinnerungen zu schreiben. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Klinische Psychologie und Psychoanalyse Ilka von Zeppelin studierte Klinische Psychologie an der Universität Freiburg, wo sie 1961 mit dem Diplom abschloss und 1965 promovierte. Schon in den inter - pretatorischen Abschnitten ihrer Dissertation über eine Weiterentwicklung des Rorschach-Tests anhand der zwei Erlebnistypen Introversion und Extraversion wird ihr kritischer Geist spürbar, wo sie die damals neuen Skalen und Inter pre- ta tionsraster der Holtzman Inkblot Technique darauf befragt, ob sie psychoana- lytischen Konzepten gerecht werden können, ohne sie zu verdünnen oder zu verzer ren (Zeppelin 1966).In ihrem Verständnis der projektiven Verfahren als ein Angebot an den Probanden, auf das dieser mit einem für seine psychische Struktur spezifischen Strukturierungsversuch antwortet, ist bereits der Ansatzpunkt einer Blickrichtung zu erkennen, die sich bis hin zum Buch «Der geträumte Traum», das sie 1996, dreissig Jahre später, zusammen mit Ulrich Moser veröffentlichte, weiter verfolgen lässt. Schon 1961 hatte sie ihre erste Stelle als Assistentin an der Abteilung Klinische Psychologie der Universität Zürich angetreten und bald darauf bei Fritz Morgenthaler die eigene Analyse begonnen. Nun nahm sie auch die psychoana- lytische Ausbildung im kleinen Kreis des damaligen Psychoanalytischen Seminars an der Kirchgasse auf. Lincke, Parin, Singeisen und später Meerwein wurden ihre psychoanalytischen Lehrer in Zürich. In späteren Jahren wurden Joseph Sandler in London und Kurt Eissler in New York zu wichtigen Figuren innerhalb der internati- onalen psychoanalytischen Bewegung, von denen sie theoretische und technische Anregungen für ihre Arbeit bezog. Dabei war Joseph Sandler mit seiner besonderen Fähigkeit zur Integration verschiedener psychoanalytischer Sprachen und Kulturen und seinem Interesse an Forschung für sie von besonderer Bedeutung. Es war eine Zeit des intellektuellen Aufbruchs in Zürich, wo sich das ursprüng- liche «Kränzchen» um Parin, Morgenthaler, Berna, Winter, Lincke und Singeisen in diesen Jahren um eine neue junge Generation von Kandidat/innen erweiterte. In dieser lebendigen Gruppe der Analytiker/innen in Ausbildung, die aufgrund der besonderen Bedingungen in der SGPsa eine im Vergleich mit anderen IPA- Instituten ungewöhnliche Autonomie genoss (siehe Kurz 1993 und Meerwein 1987), fühlte sich Ilka von Zeppelin rasch wohl. Sie nahm aktiv Anteil an der Politisierung der institutspolitischen Debatte um Ausbildungsfragen, die nach dem Kongress in Rom 1969 rasch an Dynamik gewann und die Integrationskräfte im Zürcher Journal für Psychoanalyse 51 Ilka von Zeppelin (18.1.1936–7.7.2009) 223 Ausbildungsinstitut der SGPsa zunehmend überforderte. Dieser Generation, die nach der Aussperrung aus der SGPsa das PSZ gründete, blieb sie persönlich und in ihrer Haltung eng verbunden; über all die Jahre verfolgte sie die Entwicklung des PSZ mit distanzierter, kritischer, aber durchaus liebevoller Anteilnahme. Sie war eine gesuchte und geschätzte Analytikerin. Eine ihrer besonderen Stärken lag darin, die berufliche Entwicklung junger Psycholog/innen und Psychiater/innen in Supervisionen zu begleiten und ihnen klinisches Handwerkszeug zu vermitteln. Dabei war sie in ihrer Ausrichtung auf die Patienten und in der Formulierung psy - choanalytischer Konzepte für Fallverständnis und Technik klar und kompromisslos, aber zugleich immer taktvoll, grosszügig und hilfsbereit. «Theories require a high degree of imagination» (Moser und Zeppelin 1991: 18) Zunächst waren die 60er und 70er Jahre aber eine Zeit des persönlichen und beruflichen Aufbruchs für Ilka von Zeppelin und der Beginn einer besonde- ren Lebens-und Arbeitsgemeinschaft. Zusammen mit Ulrich Moser zog sie zwei Kinder auf, 1969 wurde die gemeinsame Tochter geboren. Neben der nie unter - brochenen Lehr- und Forschungstätigkeit an der Abteilung Klinische Psychologie und der Arbeit in der Praxis gab es hier immer ein zweites Leben, das sie bis an die Grenzen forderte, aber auch Halt und Verwurzelung bot. Ein Sammelband der Arbeiten jener Jahre trägt eine Zeichnung ihrer jüngsten Tochter auf dem Vorblatt, mit der sie im Alter von vier Jahren zugleich ihre Faszination für die Arbeit der Eltern und ihren Ärger darüber ausdrückte, indem sie inmitten einer diskutierenden Forschungsgruppe auf dem Boden sass und zunehmend ungeduldig und zornig ein Labyrinth eigener «Diagramme» zeichnete, aus denen Menschengesichter her - ausschauten. (Moser und Zeppelin 1991: VII) Der Lehrstuhl für Klinische Psychologie, dessen erster Ordinarius Ulrich Moser war, eröffnete einer jungen Gruppe von WissenschaftlerInnen die Möglichkeit, sich mit aktuellen Fragen zu beschäftigen und neue Forschungs- schwerpunkte zu setzen. Unter Mitwirkung von Studierenden wurden die Wir - kungen des Cannabisrauchens bei unterschiedlichen Persönlichkeiten untersucht (Dittrich, Bättig, Woggon und Zeppelin 1973: 209–218). Ein eigenes Nationalfonds- Forschungsprojekt Ilka von Zeppelins befasste sich mit Gammlern im Vergleich zu Hippies. Es ergab u. a. eine kleine, sorgfältige und heute noch interessante Studie über Phantasiestruktur und narzisstische Objektbeziehungen bei Jugendlichen, die mit Jugendkultur-Phänomenen zusammenwirken und zu Zusammenbrüchen und Dissozialität führen (Zeppelin 1973). Erwartungsgemäss war es nicht ganz Nachrufe 224 Beate Koch einfach, die Drop-outs überhaupt zur Mitwirkung bei der Studie zu bewegen– das wurde mit einem Honorar und grösstem Entgegenkommen bei den Arbeitszeiten, aber wohl auch mit Hilfe der besonderen Begabung der Autorin für die Arbeit mit narzisstischen und Borderline-Patienten erreicht, die sich auch in einer spä- teren Arbeit zeigt: Der letzten, die allein unter ihrem Namen erschien (Zeppelin 1987). Eine besondere Rolle spielte neben anderen testdiagnostischen Verfahren anfänglich der Rorschachtest, in dem Ilka von Zeppelin die Studierenden gründ- lich in mehrsemestrigen Kursen ausbildete und ihnen zeigte, wie «wichtig es ist, ein wohlformuliertes [psychoanalytisches] Modell der psychischen Prozesse zu haben», um Testvariablen angemessen zu deuten (Zeppelin 1983: 7). Ein intellektuelles Unternehmen von ganz anderen Ausmassen wurde begon- nen, als Ilka von Zeppelin und Ulrich Moser eine Arbeitsgruppe gründeten, um die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zwischen Klinischer Psychologie, Cognitive Science und Artificial Intelligence zu erkunden. Zusammen mit W. Schneider (Data Center Univ. Uppsala) und R. Pfeifer (Informatik, Artificial Intelligence Zürich), zeitweise auch mit Fritz Morgenthaler, dessen strukturale Traumtheorie eine Quelle der Hypothesenbildung darstellte, entwickelten sie Computerprogramme zur Simulation kognitiv-affektiver Vorgänge, zuerst von Abwehrprozessen, dann von Träumen. Resultate dieser Arbeit wurden laufend veröffentlicht und erlau- ben rückblickend guten Einblick in einen Aufbruch zu neuen Horizonten, den alle, die ihn unmittelbar miterleben konnten, noch Jahrzehnte später als ein für ihre Zukunft prägendes Stück gelebter Wissenschaftsgeschichte beurteilen. 2 Um den Computer so programmieren zu können, dass er einen Traum generieren konnte, mussten anhand eines Traumes aus der psychoanalytischen Praxis dessen Entstehungsbedingungen Schritt für Schritt zurückverfolgt, Strukturelemente aus der Traumerzählung abstrahiert und kodiert werden. Die «fremden Sprachen» der beiden anderen Wissenschaften und die Programmiersprachen zwangen dazu, die Konzepte der eigenen psychoanalytischen Sprache möglichst klar aus- zuformulieren. Beiden war daran gelegen, bei der Übersetzung in eine andere «Mikrowelt» mit der ihr eigenen Logik nicht nur den Reichtum und die Komplexität der psychoanalytischen Konzepte zu bewahren, sondern diesen dabei gerade neue Bedeutungshorizonte abzugewinnen – und seien es auch «nur» schärfer sich abzeichnende Fragen. Mindestens Kapitel zu einer «generativen Grammatik» kom- plexer psychischer Vorgänge sind dabei entstanden. Ein Teil davon wurde 1996 in dem gemeinsamen Buch «Der geträumte Traum» noch einmal ausgearbeitet und in eine auch für Kliniker brauchbare Form gebracht. Ein weiterer Teil, der sich anhand früher Störungen mehr mit Regulierungs- und Transformationsvorgängen beschäf- Journal für Psychoanalyse 51 Ilka von Zeppelin (18.1.1936–7.7.2009) 225 tigte, ist in den letzten Jahren erschienen (Moser 2005). Selbst wer sich nicht auf «beides», Formel und Metapher, versteht, kann das Abenteuer nachvollziehen, auf das diese beiden Menschen sich in ihrer engen und besonderen Zusammenarbeit einliessen, das Privileg geniessen, ihnen bei einem Unternehmen mit sehr hohem Anspruch zuzusehen, und auch etwas von Belastungen und Gefahren erahnen, die damit verbunden waren. Ilka von Zeppelin war für alle, die sie auch nur einmal gesehen hatten, eine eindrucksvolle und unvergessliche Erscheinung. Ihre Gesundheit war schon seit Jahren sehr angegriffen, ihr Körper zart und zerbrechlich. Auf den ersten Blick konnte man sich Sorgen um sie machen. Sobald man mit ihr ins Gespräch kam, verbat sich das ihre lebendige, hellwache Präsenz, und wer sie gern hatte, glaubte nur zu bereitwillig, dass ihre Zerbrechlichkeit von jener unnachgiebigen Art sein würde, mit der manche Menschen 90 Jahre alt werden. Trotz aller Fragilität uner - wartet ist sie, zu früh und bestürzend für jene, die sie kannten, im Alter von 73 Jahren gestoben. Literatur Dieckmann, Dorothea (2008): Harzreise. Eine Erzählung. Frankfurt am Main: weissbooks. Dittrich, Adolf, K. Bättig, Brigitte Woggon und Ilka von Zeppelin (1973): Beziehungen zwischen Erwartungshaltungen zur aktuellen Cannabis-lntoxikation, Cannabis-Konsum und Persönlichkeit bei Studenten. Zeitschrift für Präventivmedizin, 18: 209–218. Kleist, Heinrich von ([1966] 1810): Werke in einem Band. München: Hanser. Kurz, Thomas (1993): Aufstieg und Abfall des Psychoanalytischen Seminars Zürich von der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse. In: LUZIFER- AMOR, 6/12: 7–54. Meerwein, Fritz, Gedanken zur Trennung (1987) in: JOURNAL des PSZ. Sonder - nummer: 65–70. Moser, Ulrich (2005): Unveröffentlichtes Vorwort zu «Dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmte» (mit freundlicher Genehmigung des Autors). Moser, Ulrich (ed Marianne Leuzinger-Bohleber, Ilka von Zeppelin) (2005): Schriften des Sigmund-Freud-Instituts: Psychische Mikrowelten – Neuere Aufsätze: Bd 1 Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. Moser, Ulrich und Ilka von Zeppelin (1991): Cognitive-Affective Processes. New Ways of Psychoanalytic Modeling. Berlin, Heidelberg: Springer. Nachrufe 226 Beate Koch Zeppelin, Ilka von (1966): Die Variablen der Holtzman Inkblot Technique in ihrer Beziehung zur lntroversion und Extraversion. Bern: Huber. Zeppelin, Ilka von (1973): Social drop-outs and hippies: fantasy, object-relation- ship and aggressiveness. Br.J.med.Psychol., 46, 181–190, dt.:(Kurzfassung) Phantasie und Objektbeziehung bei Gammlern, in Reinert,G. (ed.)1973, Bericht über den 27. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Kiel 1970, Göttingen: Hogrefe, 947–53. Zeppelin, Ilka von(1983): Die Rorschachtest-Variablen B-Antworten und b-Ant- worten als Merkmale des Phantasierens und Agierens in neurotischen Abwehrprozessen. Bericht aus der Abteilung Klinische Psychologie , 15, Psychologisches Institut Zürich (1968). Zeppelin, Ilka von (1987): Outline of a Process Model of Psychoanalytic Therapy. In: U.Moser, I.v.Zeppelin, Cognitive-Affective Processes: 135–150. Zeppelin, Ilka von (2005): Dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmte: Eine Kindheit zwischen 1940 und 1948. Berlin: Wagenbach. Anmerkungen 1 Aus Gründen der Lesbarkeit verwende ich die beide Geschlechter berücksichtigende Schrägstrich-Form sowie in Einzelfällen das generische Maskulinum. 2 Mündliche Mitteilung von Prof.em. Rainer Krause anlässlich einer Gedenk veran- staltung für I. v. Zeppelin, 6.2.2010. Journal für Psychoanalyse 51

