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Buchbesprechungen

Verein für Psychoanalytische Sozialarbeit (Hrsg.): Verrückte Lebenswelten – Über Ressourcenorientierung in der Psychoanalytischen Sozialarbeit

Daniel Stutz

Buchbesprechung


Verein für Psychoanalytische Sozialarbeit (Hrsg.): Verrückte Lebenswelten – Über Ressourcenorientierung in der Psychoanalytischen Sozialarbeit (Brandes & Apsel Verlag, Frankfurt a. M. 2009) Daniel Stutz (Zürich) Das vorliegende Buch entstand aus der 14. Fachtagung, die der Verein für Psychoanalytische Sozialarbeit Rottenburg und Tübingen im November 2008 durchführte. Das Tagungsthema – identisch mit dem Buchtitel – war gewählt worden unter dem Eindruck eines immer stärker werdenden Rufs nach Operationalisierbarkeit, Rationalisierung, gesteigerter Effizienz und Planbarkeit in der Jugendarbeit, der von den Auftraggebern der öffentlichen Hand her ertönt, welche wiederum dem herrschenden politischen Diskurs verpflichtet sind. Die zunehmende Ökonomisierung von immer mehr Lebensbereichen macht auch nicht Halt vor dem Gegenstand, mit dem sich die psychoanalytische Sozialarbeit beschäftigt. Dieser Gegenstand variiert: mal sind es Jugendliche mit psychosozialen Problemen, mal Kinder in oder ausserhalb ihrer Familien, mal ist der Rahmen stationär, mal ambulant oder aufsuchend. Je nach Feld, Rahmen und Fall sind auch immer wieder unterschiedliche Ressourcen vorhanden, auf die zurückgegriffen werden kann. Da gibt es einerseits die psychischen und kulturellen Ressourcen der Klienten und der Familien, mit denen gearbeitet werden kann und andererseits die personellen, zeitlichen und institutionellen Ressourcen, mit denen die in der Psychoanalytischen Sozialarbeit Tätigen ausgestattet sind. Alle elf Beiträge in diesem Band befassen sich, wenn auch auf sehr unter - schiedliche Weise, mit der Bedeutung dieser Ressourcen, den Möglichkeiten, die diese eröffnen, aber auch mit deren Gefährdung und Begrenztheit. Die Reihenfolge der Beiträge ist so gestaltet, dass sie vom Allgemeinen zum Besonderen führen. Das Buch beginnt mit Artikeln, die die Psychoanalytische Sozialarbeit und die Frage nach ihrer Ressourcenorientierung auch theoretisch verorten, nicht ohne dabei auch Fallbeispiele anzuführen. Im weiteren Verlauf werden dann Fallgeschichten ausführlicher dargestellt, die aus verschiedenen Feldern Psychoanalytischer Sozialarbeit stammen. Letztere wird dadurch aus unter - schiedlichen Perspektiven beleuchtet und erscheint somit anschaulicher. © 2020, die Autor_innen. Dieser Artikel darf im Rahmen der „Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International“ Lizenz ( CC BY-NC-ND 4.0 ) weiter verbreitet werden. DOI 10.18754/jf p.51.16 Journal für Psychoanalyse 51 Verrückte Lebenswelten … ( Verein für Psychoanalytische Sozialarbeit) 201 Es fällt auf, dass alle diese Fallgeschichten nicht von einzelnen AutorInnen geschrieben sind, sondern in Ko-Autorenschaft von zwei oder drei VerfasserInnen entstanden sind. Damit Psychoanalytische Sozialarbeit geleistet werden kann, braucht es einen stabilen und verlässlichen Rahmen, der Orientierung und Halt bietet. Dazu gehört auch die Möglichkeit, die Arbeit reflektieren zu können, und zwar mit einem Gegenüber, das nicht auf die gleiche Art in einen Fall verstrickt ist, wie die mit diesem Fall betraute Person. Psychoanalytische Sozialarbeit kann nicht im Alleingang gemacht werden, sondern ist auf ein Reflexionsgefäss ange- wiesen, einen Container, der in der Lage ist, die «im Feld» gemachten Erfahrungen aufzufangen und zu bearbeiten. Das kann ein Team in einer Institution sein, aber auch eine Intervisions- oder Supervisions-Gruppe. Diese Besonderheit scheint sich auch darin zu widerspiegeln, dass alle diese Fallgeschichten von mehreren AutorInnen gemeinsam verfasst worden sind. Was weiter auffällt, ist die lange Dauer, häufig mehrere Jahre, über die sich die berichteten Fallgeschichten erstrecken. Psychoanalytische Sozialarbeit braucht und nimmt sich offenbar Zeit. Das wirft natürlich sofort wieder die Frage nach den Ressourcen auf, diesmal den zeitlichen und finanziellen, die dafür aufgewen- det werden müssen. Und damit ist man schon wieder bei der politischen Frage, ob sich ein solcher Aufwand gesellschaftlich lohnt. Dazu möchte ich aus dem Titel des letzten Artikels in diesem Band zitieren: «Was sich nicht lösen darf, soll man tragen.» Etwas umformuliert kann das heissen: «Was nicht gelöst werden kann, muss getragen werden.» Damit könnte auch die erwähnte politische Frage beantwortet werden: Die Probleme, mit denen sich Psychoanalytische Sozialarbeit beschäftigt, müssen von der Gesellschaft so oder so getragen werden, samt ihren ökonomischen Auswirkungen. Da zu vermuten ist, dass ungelöste Probleme über Generationen hinweg ökonomisch belastender werden, lohnt sich der Aufwand für eine Psychoanalytische Sozialarbeit , die solche Probleme auch nicht immer lösen, aber doch tragbarer machen kann. Dass und wie sie das tut, zeigen die Fallgeschichten in diesem Buch anschaulich. Wer sich vertieft für Psychoanalytische Sozialarbeit interessiert, etwa für die Frage, wie denn das Unbewusste darin mitspielt, dem sei die Lektüre dieser «Verrückten Lebenswelten» besonders empfohlen. Buchbesprechungen