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Schwerpunkt

Die zentralen Theorien Fritz Morgenthalers im Vergleich mit Donald Meltzer als einem der wichtigsten Vertreter kleinianischer Psychoanalyse

Karl Mätzler
Fritz Morgenthaler und Donald Meltzer haben sich ausführlich mit Sexualtheorie, Traumdeutung und dem psychoanalytischen Prozess befasst. Die Unterscheidung Morgenthalers zwischen dem Sexuellen und der organisierten Sexualität wird mit dem kleinianischen Konzept der unbewussten Phantasie verglichen. Davon ausgehend erläutert der Autor die »erweiterte psychoanalytische Sexualtheorie« von Donald Meltzer. Insbesondere seine Darstellung eines Sexuallebens, das von einer beschädigten inneren Vereinigten-Eltern-Figur abhängig geblieben ist, entspricht jenem von Morgenthaler beschriebenen Zustand, wenn der Wiederholungszwang der sexuellen Objektbesetzung in einen circulus vitiosus mit der Abhängigkeit vom Sexualobjekt gerät. Auch ihre Einschätzungen der Homosexualität und der Perversion weisen große Ähnlichkeiten auf. Morgenthalers dialektisches Verständnis der psychoanalytischen Praxis lässt sich sehr gut mit dem »Container-Contained«-Modell in Wilfred Bions erweitertem Konzept der projektiven Identifikation vergleichen, welches als dialektisches Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation verstanden werden kann. Morgenthalers Erweiterung der Traumtheorie um eine Psychologie des Erlebens findet ihre Entsprechung bei Meltzers Feststellung, dass der Traum sowohl ein reales Erlebnis sei, als auch eine Form des unbewussten Denkens bzw. der unbewussten Phantasie. Mit dem Protokoll einer Behandlungssequenz lässt der Autor die verglichenen Themenbereiche anschaulicher und die Ähnlichkeiten der Arbeitsweisen deutlicher werden.