Die Aufarbeitung der Spuren der lateinamerikanischen Diktaturen in der 3. Generation

Referenten

Ursula Hauser (Costa Rica / Uruguay)

Informationen

Ursula Hauser gehört zum Gründerkreis des PSZ, praktizierte zuerst in Zürich und seit den 1980er Jahren in San José de Costa Rica, wo sie die „Asociación de Psicoanalisis y Psicologia Social“ (ASPAS) gegründet hat und die Zeitschrift „Giros de ASPAS“ herausgibt. Neben der psychoanalytischen Arbeit im engeren Sinn ist sie auch eine begnadete und weltbekannte Psychodramatikerin, die regelmässig um die halbe Welt reist. Bei uns ist v.a. ihre Arbeit in Gaza (zusammen mit Maja Hess) bekannt geworden, wo sie seit 2002 eine psychodramatische Ausbildungsgruppe aufgebaut hat. Zu ihrem neuen Projekt in Uruguay schreibt sie:

„Als Psychoanalytikerin arbeite ich seit vielen Jahren mit der Gruppenmethode des Psychodramas. In diesem Projekt geht es um die Aufarbeitung der Spuren der uruguayanischen Militärdiktatur von 1973-85 aus der Sicht der Generation der EnkelInnen. Ich arbeite mit einer Gruppe von 15 Jugendlichen aus Maldonado/Uruguay – mit erstaunlichen Resultaten: Die scheinbare Gleichgültigkeit und das Desinteresse wichen sehr schnell einer grossen affektiven Intensität durch die psychodramatische Arbeit in der Gruppe. Ihre Eindrücke, Erinnerungen und Fantasien konnten wir szenisch darstellen und ausarbeiten. Dann betrachteten sie eine filmische Dokumentation über den Militärputsch vom 26. Juni 1973. Darin erschienen auf dem Fernsehschirm Pinochet aus Chile, Videla aus Argentinien und die amerikanischen Berater, der PLAN CONDOR wurde mit verheerenden Wirkungen umgesetzt. Zuerst konnten die Jugendlichen gar nicht glauben, dass diese Bilder tatsächlich in Montevideo aufgenommen worden waren!

Jetzt sind die Tupamaros an der Macht und decken die Archive auf; deshalb habe ich auch die formelle Unterstützung der Regierung und hoffe, dass ich das Projekt zuerst zusammen mit der Universität in Uruguay weiter verfolgen und dann – dem grossen Interesse zufolge – auch in Argentinien, Chile und Brasilien verwirklichen kann. So könnten die Jugendlichen zu ProtagonistInnen bei der Aufarbeitung der Geschichte auf dem lateinamerikanischen Kontinent werden.“