Preisträger 2015

Die Tagung präsentierte sich wie die Mode sehr vielfältig, bunt, povozierend, frisch und witzig, durchaus aber auch nachdenklich und anregend.

Schon Adorno hat davor gewarnt, Mode für überflüssig zu erklären: „Die üblichen Deklamationen gegen Mode, die das Vergängliche dem Nichtigen gleichsetzen, sind nicht nur dem Gegenbild einer Innerlichkeit gesellt, die politisch so sehr sich kompromittierte wie ästhetisch als Unfähigkeit zur Entäußerung und Verstocktheit im individuellen Sosein. Trotz ihrer kommerziellen Manipulierbarkeit reicht Mode in die Kunstwerke tief hinein, schlachtet sie nicht nur aus….“

Aber Mode unterhält nicht nur zur Kunst ein so enges und wechselseitiges Verhältnis. Nicht zuletzt die Psychoanalyse stellt das Vergängliche – als das immer schon verlorene objet du désir – ins Zentrum ihrer Theorie und ihrer Praxis. Und erzählt davon, was für ein unendlicher Reichtum an immer neuen Formen und Objekten daraus täglich und vor allem triebhaft entsteht.

Die Tagung war ein Feuerwerk von Beispielen und Anschauungen: Mode als Poesie, die fliegen kann, Mode als Stoff fürs Leben und der Literatur, Mode als Kostüm, in das man sich werfen kann, als immer neuer Entwurf fürs Leben und sie wurde zum Tanz in einer mitreissenden Performance von Vouging, einer Tanzpraxis aus der New Yorker Subkultur, bei der man sich Modelposen aneignet, mit ihnen lacht und sie so ihrer Macht auch entkleidet. Mode at it’s best!

Diese vielfältigen Eindrücke klangen auch noch in der abschliessenden Podiumsdiskussion und dem anschliessenden Apéro mit Sekt und Snacks in vielen Gesprächen nach und setzten sich in der Preisverleihung fort.
Der Hauptpreis The Missing Link ging an Nele Stecher für Ihre Arbeit Das Subjektive historisieren. Macht, Schuld und Wahrheit. Peter Schneider hob in seiner Laudatio den geistreichen Witz an ihrer Arbeit hervor, der „die Naturalisierung des Kulturellen ad absurdem führt“, die auch solche Varianten psychoanalytischen Denkens aufweisen, die beispielsweise eine „unfreiwillig komische Verdoppelung der Phänomene in den darauf applizierten Begriffen“ produziert oder als überraschungsfreie Gesellschaftskritik im Deutungsprozess daherkommt, „bei dem am Ende immer das herauskommt, was man vorher schon wusste.“

Der Förderpeis Link 2 Future ging diesmal zu gleichen Teilen an zwei junge Künstlerinnen: An Alwina Heinz aus Dresden für ihre Zeichnungen zum Thema Wie entsteht ein Bild im Kopf? Und warum wird es so ausgedrückt wie es ausgedrückt wird? und an Lilian Robl aus Müncheen für ihr Video Denkogramm. Beide Arbeiten greifen, wie Katja Baumhoff in ihrer Laudatio sagte, „die Formalität eines Diagramms, des Psychogramms, oder wie Lilian Robl es bezeichnet, des Denkogramms auf, doch sie beinhalten irrationale Momente, sie spielen bewusst mit den Möglichkeiten der Verschiebung und der Vieldeutigkeit, und vermeintlich ordnende Bildzeichen werden letztendlich nur genutzt, um Ordnungsmuster zu destabilisieren.“