Preisträger 2011

Die Preisverleihung 2011 am 9./10. Dezember fand – wie schon die von 2009 – im Kunstraum Walcheturm statt. Das jedes Mal mit ihr veranstaltete interdisziplinäre Ereignis war diesmal eine Tagung zum Container: Das Motiv der Kästchenwahl. Container in Kunst, Kultur und Psychoanalyse. Der Container ist nicht nur zentrales Vehikel der globalisierten Vernetzung, sondern wird – auch in Zürich – in verschiedensten Zusammenhängen genutzt und hat dabei bisweilen schon Kult-Status erreicht. Als theoretisches Modell hat der Container auch in der Psychoanalyse eine eminente Bedeutung erlangt.

Contain leitet sich von lat. continere ab, d.h. soviel wie: beinhalten, enthalten, (um)fassen, zusammenhalten. Die Moderne hat den Container als normierten Behälter «für alles Mögliche» (Böhringer) gewählt. Mit ihm sind ebenso Annahmen von Flexibilität und Mobilität verbunden wie das Konzept eines Raums, in dem die unterschiedlichsten Güter und Personen‚ 'gestapelt‘ und transportiert werden können – mit entsprechenden sozio-politischen Implikationen. Auch in der Psychoanalyse hat der Container diskursverändernd Karriere gemacht, wo Bions Container-Contained u.a. als eine Art Beziehungsmodell fungiert. Das hat Konsequenzen. Ausgehend von Freuds Betrachtungen der Kästchen-‘Lotterie’ in Shakespeares Kaufmann von Venedig wollte das Symposium gerade die interdisziplinäre Behälter-Vielgestaltigkeit ausloten. Wie verschiebt sich der Containerbegriff mit seinem Transfer durch verschiedene kulturelle Felder? Welche Einsatzweisen und Implikationen werden wechselseitig deutlich –
und mit welchen psychoanalytischen Effekten?

Dieser Bedeutung und diesem Konzept des Containers entsprechend kamen an der Tagung Referent_innen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen: Ausser Psychoanalytiker_innen (Robert Heim, Rosemarie Kennel, Olaf Knellessen), Vertreter_innen aus den Kulturwissenschaften (Peter Berz, Insa Härtel, Alexander Kluge) und einem Historiker (Axel Dossmann) waren auch eine Künstlerin (Ursula Biemann) und die Künstlergruppe etoy sowie Forscher der Logistik und Container-Technologie (Bernd Scholz-Reiter) vertreten.

Am Abend gab dann die Zürcher Rockformation Minimetal ihren Auftritt und liess mit Kill 'em all den Container förmlich explodieren.

Am Samstag Nachmittag fand die eigentliche Preisverleihung statt. Zum ersten Mal war zusätzlich der Förderpreis Link 2 Future ausgeschrieben, der an Sebastian Wedler und seine Arbeit Der „Anti–Ödipus“ als Impetus für eine dekonstruktivistische Musikästhetik ging. Peter Schneider hielt eine geistreiche und witzige Laudatio, und inzwischen hat der junge Preisträger bereits ein Stipendiat für ein Doktorat an der Universität Oxford.

The Missing Link ging an die Kooperation zwischen einer Psychoanalytikerin und einem Komponisten. Dietmut Niedecken aus Hamburg und Hauke Berheide aus Berlin haben über längere Zeit ihr Interesse an Psychoanalyse und Musik zusammengebracht, woraus sowohl ein Text (Dietmut Niedecken) als auch ein Musikstück entstand, die beide in ihrer Entstehung sehr eng miteinander verwoben waren. Thomas Meyer hielt auf diese Zusammenarbeit eine furiose Rede, die ein begeisternder Auftakt für die Aufführung von Epilog I – Winterstück war, das von Dr. Gitta Strehlow (Klarinette) und Song-e Han (Klavier), beide aus Hamburg, gespielt wurde.

Christiane Wolf sprach der Preisträgerin und den Preisträgern – und allen Bewerber_innen – den Dank des PSZ für ihre ausgezeichneten Beiträge aus und überreichte die Urkunden.

Nach dem abschliessenden Nachtessen kehrte eine ganze Gruppe nochmals in den Kunstraum zurück und scharte sich um den Flügel, auf dem Hauke Berheide über sein Komponieren erzählte und spielte.